Zeitung Heute : Auch bei Harvarien ist die Funktionsfähigkeit der Verwaltung gesichert

Michael Mara

Berlin war etwas schneller: Dort gibt es bereits ein Info-Telefon zum "Jahr 2000-Problem". Dafür startet Brandenburg ab Montag eine breit angelegte Aufklärungskampagne. Doch Innenminister Jörg Schönbohm urteilte gestern: "Ernsthafte Störungen" seien in Brandenburg nicht zu erwarten. Und für Restrisiken gebe es Notfallpläne.

Brandenburg zeigt sich bürgernah: Unter der Nummer (0331) 866-7777 wird am Montag ein Info-Telefon geschaltet. Experten des Innenministeriums werden montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr Bürgerfragen beantworten. Zusätzlich stehen Info-Telefone in den Kreisen zur Verfügung. Außerdem hat die Landesregierung eine Broschüre aufgelegt, in der mögliche Risiken erläutert und Verhaltenstips gegeben werden. Darüber hinaus wird die Landesregierung regelmäßig aktuelle Informationen zum "Jahr-2000-Problem" veröffentlichen. Das Jahrtausend-Wende-Problem besteht bekanntlich darin, dass Computer und Mikrochips zum Teil nicht auf vierstellige Jahreszahlen ausgelegt sind. Weil das Jahr 2000 zu "00" oder "1900" wird, drohen falsche Berechnungen, Fehlfunktionen und Ausfälle ganzer technischer Systeme.

Dies könne, so Schönbohm gestern, in sensiblen Bereichen fatale Folgen haben. Chipgesteuerte Alarmanlagen könnten ausfallen, Polizeiwachen ohne Strom sein. Schönbohm konnte gestern beruhigendes vermelden: Die Landesregierung habe in ihrem Verantwortungsbereich Vorsorge getroffen, die technischen Umstellungsarbeiten seien weitgehend abgeschlossen. Zum Beispiel stelle man für alle Polizeiwachen Notstromaggregate bereit. Der Katastrophenschutz werde zum Jahreswechsel personell verstärkt. Die Krankenhäuser erarbeiteten Notfallpläne.

Wie groß das Restrisiko ist, darüber wollten weder Innenminister Schönbohm noch der Chef der so genannten Steuerungsgruppe der Landesregierung, Michael Muth, eine Prognose abgeben. Muth, der schon den Krisenstab der Landesregierung beim Oderhochwasser geleitet hatte, warnte jedoch davor, das Problem herunterzuspielen. "Wenn jemand sagt, es bleibt ein Restrisiko von zwei Prozent, dann kennt er die Materie nicht." Die Landesregierung befasse sich seit zwei Jahren mit dem Problem und denke, dass die Funktionsfähigkeit der Verwaltung gewährleistet sei.

Bei den Kommunalverwaltungen, so Muth, sei das Problem zunächst unterschätzt worden: "Wir mussten mächtig drücken, damit auch dort Steuerungsgruppen eingerichtet und Notfallpläne aufgestellt wurden." Auf die Umstellung innerhalb der Wirtschaft habe die Landesregierung keinen Einfluss: Muth wollte nicht ausschließen, dass kleine Unternehmen, die die Kosten der Umstellung scheuten, Probleme bekommen könnten. Die Strom- und Gasversorgung sei zum Jahreswechsel gesichert, die Energieversorger und Verkehrsunternehmen hätten Vorsorge getroffen.

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