Zeitung Heute : Auch im Sommer kann es plötzlich glatt sein

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Es klang wie eine dumme Ausrede. „Die Straße war plötzlich spiegelglatt", stammelte der noch vom Schreck gezeichnete Fahrer, als er aus dem Auto stieg, das zum Glück ohne größere Schäden in den Straßengraben gerutscht war. Aber es war nicht Winter, sondern Sommer. Schwer vorstellbar, dass die Fahrbahn da glatt sein sollte. Und hier steckt die große Gefahr. Keiner glaubt an Glätte im Sommer und keiner rechnet deshalb mit ihr. Dabei kann die besonders tückisch sein. Vor allem dann, wenn es auf viel befahrenen Straßen bei größerer Wärme eine längere Zeit nicht geregnet hat.

Setzt dann ein nur leichter Nieselregen ein, dann kann sich die Fahrbahnoberfläche binnen kürzester Zeit in eine regelrechte Rutschbahn verwandeln. Die Erklärung dafür ist durchaus einleuchtend. Denn wenn sich sanfter Regen mit dem Staub, dem Reifenabrieb und je nach Jahreszeit mit Blütenpollen und anderem feinen Pflanzenmaterial auf der Fahrbahn vermischt, dann ergibt das eine ausgesprochen rutschige Mischung, auf der man ebenso unsicher fährt wie auf Glatteis. Und bei nur sanftem Nieselregen kann es längere Zeit rutschig bleiben. Erst dann, wenn es länger und vor allem kräftig regnet, wird diese "Sommerglätte" recht schnell fortgespült.

Dann allerdings droht im Sommer Glätte einer ganz anderen Art. Denn bei einem besonders heftigen Regenguss muss man mit Aquaplaning rechnen. Diese von vielen ebenfalls unterschätzte „Wasserglätte" entsteht dadurch, dass die Reifen die Menge des Wassers auf der Fahrbahn nicht abführen können und sich zwischen Reifen und Fahrbahn ein Wasserkeil aufbaut, auf dem das Rad ohne direkten Fahrbahnkontakt gleitet. Damit ist es natürlich nicht mehr lenkfähig.

Schwimmt das Auto tatsächlich auf – bei Fronttrieblern heult der Motor dann auf, ohne dass man mehr Gas gegeben hat, bei Hecktrieblern gibt es leider keine so deutlichen Signale – dann muss man die Lenkung unbedingt gerade halten, die Kupplung treten und allenfalls sanft bremsen oder besser ausrollen, bis das Fahrzeug wieder Straßenkontakt hat. Wer die Lenkung einschlägt, riskiert, dass dieser Kontakt bei eingeschlagenen Rädern entsteht und das Fahrzeug dann natürlich ausbricht.

Je weiter das Profil eines Reifens heruntergefahren ist, desto höher ist die Aquaplaning-Gefahr. Setzt man die Wasseraufnahme bei 8,0 mm Profil mit 100 Prozent an, dann beträgt sie bei 3,0 mm nur noch 30 Prozent und beim Mindestprofil von 1,6 mm nur noch 13,8 Prozent. Das aber bedeutet, dass die Reifen sieben Mal früher aufschwimmen als bei vollem Profil. Fazit aus dem ist, dass man im Sommer dann, wenn man mit schon weiter abgefahrenen Reifen unterwegs ist , bei Regen das Tempo drastisch vermindern muss, um nicht zum „Schwimmauto" zu werden.

Leider hat man als Fahrzeuglenker keine Sicht auf die Reifen, kann einen sich bildenden Wasserkeil also nicht sehen. Dennoch gibt es einige wichtige Hinweise darauf, ob die Fahrbahn vor einem aquaplaninggefährdet ist. Doch wenn man die Fahrspuren vorausfahrender Fahrzeuge beobachtet und sieht, dass diese sich schnell schließen, dann bedeutet das viel Wasser auf der Fahrbahn und erhöhte Aquaplaninggefahr – und das heißt Tempo reduzieren. Besonders groß ist die Gefahr übrigens bei wassergefüllten Spurrillen. ivd

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