Zeitung Heute : AUCH OKADA UND ACOSTA TRETEN ZURÜCK: Bereits 14 Trainer arbeitslos

PARIS (sid).Das Trainerkarussell dreht sich bei der Fußball-WM in Frankreich so schnell wie nie zuvor.Schon die Hälfte aller 32 WM-Teilnehmer muß sich nach "France 98" einen neuen Chef auf der Bank suchen.Japans Coach Takeshi Okada und Chiles Trainer Nelson Acosta machten durch ihre Rücktritte am Wochenende bereits die Trainerwechsel Nummer 13 und 14 während der laufenden Endrunde perfekt.

Das für jeden Vereinscoach schon seit Ewigkeiten geltende "Branchengesetz" greift zunehmend auch in den Nationalmannschaften.Ohne zählbare Erfolge sind die früher als vergleichsweise sicher geltenden Posten zum Schleudersitz mutiert.So müssen denn auch Spaniens Trainer Javier Clemente und US-Coach Steve Sampson nach dem Vorrunden-K.o.ihrer Teams um ihren Job zittern.Selbst in Nigeria wird über das Ende der "Ära Bora Milutinovic" spekuliert."Es ist frustrierend, daß gute Trainer zu Sündenböcken gemacht werden.Schuld ist, daß die Erwartungen in diesen Ländern vor der WM nicht realistisch waren", stellte Generalsekretär Peter Velappan vom Asiatischen Kontinental-Verband nach den Entlassungen des Brasilianers Carlos Alberto Parreira bei Saudi-Arabien und Ex-Bundesligaprofi Bum Kun Cha bei Südkorea fest.Wie Cha und Parreira erhielt auch Tunesiens Trainer Henri Kasperczak vor dem letzten Spiel die Papiere.

Jamaikas brasilianischer Trainer Rene Simoes macht sich für den Fall des allgemein erwarteten Rücktritts von Brasiliens Coach Mario Zagallo Hoffnungen auf den Trainerposten im Land des Weltmeisters."Dieser Job steht ganz oben auf meiner Wunschliste." Südafrikas zurückgetretener Trainer Philippe Troussier soll nach eigenen Angaben Angebote aus Saudi-Arabien und Tunesien vorliegen haben.

Gegen den ausdrücklichen Willen seines Verbandes reichte Coach Takeshi Okada vom punktlos ausgeschiedenen WM-Neuling Japan seinen Rücktritt ein und wahrte damit sein Gesicht: "Wir haben nicht gewonnen, als es möglich war, und wir haben kein Unentschieden geholt, als es möglich war.Ich trage die Verantwortung dafür." Umgekehrt nannte Chiles Trainer Nelson Acosta, der die Südamerikaner zum ersten WM-Start seit 1982 geführt hatte, nach dem Achtelfinal-Aus gegen Brasilien die Funktionäre als Grund für seine Demission: "Es gibt Leute im Verband, die auch in den nächsten 16 Jahren so weitermachen wollen wie bisher.So kann keine konkurrenzfähige Mannschaft entstehen."

Ihrem Rauswurf durch Rücktritt zuvorgekommen sind Bulgariens Coach Christo Bonew und Südafrikas Trainer Troussier.Auch Argentiniens Nationaltrainer Daniel Passarella zog durch seine Rücktritts-Ankündigung zum WM-Ende nur die Konsequenzen aus den Qzerschüssen der Verbandsspitze.

Bereits vor WM-Beginn stand der Abschied nach der WM auch für Aime Jacquet (Frankreich), Egil Olsen (Norwegen), Claude Le Roy (Kamerun) und Anghel Iordanescu (Rumänien) fest.

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