Zeitung Heute : Auch Susan Stahnke kann das Sat 1-Nachrichtenmagazin nicht retten

Andreas Kötter

Es war von Beginn an eine unglückselige Liaison. Denn die Verbindung zwischen der ehemaligen "Tagesschau"-Sprecherin Susan Stahnke und dem Sat 1-Nachrichtenmagazin "Newsmaker" im Oktober 1999 führte zwei Partner zusammen, die beide längst gescheitert waren. Dabei waren beide einst mit großen Ambitionen gestartet. Die Stahnke von der Nachrichtenzentrale der ARD in Hamburg aus gen Hollywood, wo angeblich schon Spielberg warten sollte. Und "Newsmaker" von "Axel Springer TV" im April 1999 mit dem Anspruch auf "seriösen, investigativen Journalismus". Ein "Zurück zu den Wurzeln des Journalismus" versprach gar der stellvertretende Springer-Vorstandschef Claus Larass damals.

Es kam anders. Konnte die Stahnke noch froh sein, wenigstens als Moderatorin für Pro 7 bei der Oscar-Verleihung ein wenig Hollywood-Glamour aus der Nähe zu erleben ("Ich stehe direkt am roten Teppich"), so dümpelte "Newsmaker" von Beginn an bei einer Quote von weniger als acht Prozent herum (statt der erhofften zwölf). Selbst als man abrückte vom eigenen Anspruch, sich stattdessen als "groteskes Sammelsurium aus Boulevard- und Servicethemen" (Spiegel Online) präsentierte, stagnierte die Quote. Im Oktober 1999 schließlich, in höchster Not, sollte die blonde Susan das Magazin aus dem Quotentief führen. "Frau Stahnke hat die Kompetenz für Nachrichten und sie hat Bildschirmpräsenz", so damals Hilmer Rolff, Chefredakteur von Springer TV. Tatsächlich stieg die Quote auch kurzzeitig. Da mag die Neugier der Zuschauer eine Rolle gespielt haben, ob "Stähnky", wie Amerikaner sie nennen, wohl in aufreizender Pose als "moderierendes Redaktionsmitglied" (Rolff) auftreten würde. Als aber klar war, dass sich nichts ändern würde, außer dem Gesicht, das nun die "emotionsstarken, informativen" (Springer-Eigenwerbung) Beiträge um Zahnbürstenhygiene oder Falschparker ankündigte, war auch der Voyeurismus der Zuschauer schnell befriedigt.

Für April hat Sat 1-Chef Fred Kogel nun laut "Spiegel" das endgültige Aus von "Newsmaker" an- und damit die traurige Partnerschaft der "Lady P." (Stahnke hatte auf einer Sanitär-Messe ein gleichnamiges Stehpissoir für Frauen präsentiert) mit dem Nachrichtenmagazin aufgekündigt. Sowohl Thomas Gericke, Ehemann und Manager von Stahnke, als auch Sat 1 sagen noch immer, dass "eine endgültige Entscheidung erst Ende März fällt". Und Springer TV-Chefredakteur Rolff bezeichnet die "Spiegel"-Meldung gar als "Unfug" und sieht die Ursache für die schwache Quote nicht bei "Newsmaker", sondern bei der "grundsätzlich schwachen Sat 1-Performance am Montag abend". Man werde in aller Ruhe weiterarbeiten und sich Ende März mit Kogel zusammensetzen.

Der aber, bekannt dafür, auch weit erfolgreichere Formate ("Der Bergdoktor") aus dem Programm zu kippen, wenn sie nicht ins Konzept passen, fordert bis März einen Anstieg der Quote auf über zwölf Prozent. Das aber dürfte kaum zu schaffen sein. Die ehrgeizigen Ambitionen des Springer Verlages, "ein großer TV-Anbieter zu werden", so wie sich Claus Larass das vorgestellt hatte, dürften damit zunächst einen herben Rückschlag erleiden.Im Internet findet heute ab 15 Uhr 30 ein Live-Chat mit Susan Stahnke statt. In den Chat mit Webcam-Übertragung kann man sich unter www.sat1.de einklicken.

Tagesspiegel - Debatten


Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben