Zeitung Heute : Audio-Banner sollen zu mehr Aufmerksamkeit verhelfen - Gespräch mit Malcolm Gompf

Viele Internet-Surfer sind bereits durch herk&ouml

Malcolm Gompf ist Audio-Designer bei der Multimedia-Agentur Aperto. Er vergleicht die Einführung der Audio-Banner mit der Entwicklung vom Stumm- zum Tonfilm. Nur so könne man sich noch vom Wettbewerb abheben.

Viele Internet-Surfer sind bereits durch herkömmliche Online-Werbung genervt, die ohne Ton daherkommt. Müssen Sie insofern nicht befürchten, dass sich die Surfer durch das Einführen der Audio-Banner quasi doppelt belästigt fühlen?

Nicht unbedingt. Zumindest eines steht fest: Audio-Banner erreichen eine deutlich höhere Aufmerksamkeit als gewöhnliche Banner. Die Erfahrungen, vor allem in den USA, zeigen, dass nur interaktive und unterhaltsame Online-Werbung überhaupt noch wahrgenommen wird. Und da alle werbetreibenden Unternehmen unter starkem Druck stehen, das Interesse der Internet-Nutzer zu wecken, führt für sie praktisch kein Weg am Audio-Banner vorbei. Immerhin ist die Konkurrenz immer nur einen Mausklick entfernt. Das Ganze ist vergleichbar mit der Entwicklung vom Stumm- zum Tonfilm. Auch damals warnten viele zunächst vor der Einführung des Tons, aber schon bald galt er als selbstverständlich.

Wie muß ein Audio-Banner beschaffen sein, um vom Internet-Surfer beachtet zu werden?

Der Sound sollte den Anwender überraschen, seine Aufmerksamkeit erregen und einen Wiedererkennungswert besitzen. Das funktioniert vor allem dann, wenn es sich um eine klar eingrenzbare Zielgruppe handelt. So lassen sich Jugendliche wahrscheinlich eher über Techno- oder HipHop-Tonfolgen auf eine Seite locken, während ältere Semester gegebenenfalls eher an lizensierten Oldie-Sounds Gefallen finden, die in ihnen positive Erinnerungen wecken. Im Endeffekt geht es aber darum, über den Sound eine Marke zu schaffen. Sobald die Internet-Surfer irgendwo im Web eine bestimmte Tonfolge hören, wissen sie im Idealfall sofort, um welche Firma es sich handelt. Bestes Beispiel ist Intel: sobald man die Melodie "intel inside" hört, weiß man, wer dahintersteckt. Auch die Deutsche Telekom arbeitet seit kurzem mit einer prägnanten Tonfolge, die in Audiospots durchgängig verwendet wird. Konsequent umgesetzt, kann die Palette eines einheitlichen Sound-Auftritts von der Online-Werbung über die Telefon-Warteschleife bis hin zur Hintergrundmusik auf der Firmen-CD-ROM reichen.

Bestehen Audio-Banner denn ausschließlich aus musikalischen Tonfolgen mit Wiedererkennungswert, oder lassen sich auch per Sprache Informationen transportieren?

Der Phantasie sind praktisch keine Grenzen gesetzt. Sicher lassen sich mit Hilfe von Sprechern auch Textinformationen akustisch unterbringen. Zudem können bestimmte Tonfolgen den Anwender beim Navigieren auf einer Website unterstützen, indem beim Anklicken einzelner Unterpunkte jeweils ein bestimmter Ausschnitt aus dem Audio-Logo ertönt. Auf diese Weise kann man zum Beispiel signalisieren, welche Menge und welche Art an Information auf einer Seite geboten wird.

Müssen die Betreiber großer Internet-Portale, auf denen Audio-Banner platziert werden sollen, die Speicherkapazität ihrer Rechner zu diesem Zweck kräftig erhöhen?

Zu diesem Zweck arbeiten wir mit einem sogenannten Adserving Service Provider zusammen, der mit seinem leistungsfähigen Rechenzentrum das professionelle Ausliefern der Audio-Banner übernimmt. Der entsprechende Rechner liegt direkt in einem Internet-Knotenpunkt, so dass jeder dort abgespeicherte Banner innerhalb von Nanosekunden aktiviert werden kann. Ein Internet-Surfer merkt also gar nicht, dass der von ihm angeklickte Banner nicht wirklich auf der Seite liegt, auf der er, der Nutzer, sich gerade befindet. Insgesamt kann der Rechner des Adserver-Providers monatlich 1,8 Milliarden Banner ausliefern.

Da bei diesem Verfahren der Inhalt der jeweiligen Website von den darauf geschalteten Werbe-Bannern getrennt ist, können von uns zudem einzelne Zielgruppen viel einfacher mit ausgewählten Bannern beschickt werden. So lassen sich gezielt die Internet-Surfer in einer bestimmten Region alleine dadurch erreichen, dass der Adserver diese über den jeweiligen lokalen Online-Einwahlknoten identifiziert.

Trotz der anscheinend perfekten Technik hat gewöhnlich jedes neue Verfahren am Anfang mit Problemen zu kämpfen. Worin bestehen die größten Schwierigkeiten beim Einsatz von Audio-Bannern?

Zunächst einmal müssen wir als Multimedia-Agentur unsere Kunden überzeugen, dass Audio-Banner ein wirksames Online-Werbeinstrument sein können - vorausgesetzt, sie werden sinnvoll eingesetzt. Viele Firmen hierzulande befürchten offenbar noch, die Internet-Nutzer damit zu erschrecken. Mehr zu schaffen machen uns aber momentan eher noch technische Einschränkungen: Sound-Banner haben momentan eine Größe von maximal 15 Kilobyte, um langwierige Ladezeiten auf dem Monitor des Anwenders zu vermeiden. Das bedeutet, daß der Informationsmenge und der Soundqualität eines Audio-Banners noch Grenzen gesetzt sind.

Wohin wird die Entwicklung in Sachen Audio-Onlinewerbung noch gehen?

Traumhaft wäre es aus unserer Sicht, wenn sämtliche Internet-Surfer ihre PCs und Macs mit ständig eingeschalteten Lautsprecher-Boxen ausgestattet hätten. Wenn dann auch noch im Real-Audio-Verfahren größere Datenmengen transportiert werden könnten, wäre das Ziel aus unserer Sicht erreicht. Dann bedarf es keines Banners zum Anklicken mehr, sondern die Zielgruppen könnten gewissermaßen uneingeschränkt mit Audio versorgt werden. Das Interview führte Christian Blees

Tagesspiegel - Debatten


Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar