Zeitung Heute : Auf dem Weg

Äthiopien, Kenia, Südafrika und Ghana: Kanzler Gerhard Schröder macht sich zur ersten größeren Afrikareise seiner Amtszeit auf. Die Zukunft des Kontinents liegt auch im deutschen Interesse. Denn die dortigen Probleme, so glaubt die Regierung, könnten schnell die eigenen werden.

Ulrike Scheffer

DER BUNDESKANZLER IN AFRIKA

Eine ganze Woche nimmt sich der Bundeskanzler Zeit für Afrika. Das klingt nach viel. Doch Gerhard Schröder wird ab Sonntag schließlich vier Länder besuchen: Äthiopien, Kenia, Südafrika und Ghana. Es ist die erste größere Reise des Kanzlers in die Region südlich der Sahara; einzig nach Südafrika hatte er schon früher einen Abstecher gemacht. Schröder sieht seinen Besuch als Teil deutscher Sicherheitspolitik, „denn die Probleme des Kontinents können schnell zu unseren eigenen werden“, hieß es vorab aus Regierungskreisen. Das Beispiel Afghanistan zeige, dass zerfallene Staaten Brutstätten des internationalen Terrors seien.

Direkte Interessen hat Deutschland in Afrika abgesehen vom Industriestandort Südafrika freilich nur wenige. Doch die Region, die immer wieder durch Bürgerkriege und Aids von sich Reden macht, ist Schwerpunkt der deutschen Entwicklungszusammenarbeit. Die Opposition kritisiert indes, dass Rot-Grün Afrika sträflich vernachlässigt. Bisher sei das Afrika-Engagement der Bundesregierung durch „freundliches Desinteresse“ gekennzeichnet, bemängeln CDU-Politiker, darunter Außenpolitik-Sprecher Friedbert Pflüger. Tatsächlich hat die Schröder-Regierung ihr 1998 gegebenes Versprechen, den Entwicklungsetat deutlich aufzustocken, nicht gehalten.

Hilfe für Reformer

Aber alle vier Stationen der Schröder-Reise gehören zu den bevorzugten Empfängerländern der deutschen Hilfe. Und sie sind Mitglieder der Reforminitiative Nepad, in der afrikanische Führer erstmals die Eigenverantwortung für die Entwicklung des Kontinents betonen. „Deutschland unterstützt diese Initiative und der Kanzler will sie durch seine Reise würdigen", verlautete aus Regierungskreisen. Wichtiger Programmpunkt in Äthiopien ist denn auch der Besuch der Afrikanischen Union (AU), dem institutionellen Rückgrat der Initiative. Eine afrikapolitische Grundsatzrede will Schröder ebenfalls in Addis Abeba halten.

Hoffnungsträger ist vor allem Kenia, das nach dem Rückzug des Autokraten Daniel Arap Moi neue Wege geht: Präsident Mwai Kibaki ernannte unter anderem einen Staatssekretär für den Kampf gegen Korruption, der von deutschen Experten beraten wird. Belastete Richter und Polizisten wurden entlassen. Deutschland wird seine Hilfe für das Land auf 50 Millionen Euro für die kommenden zwei Jahre verdoppeln und besonders die Verbesserung der Wasserversorgung fördern, hieß es vor der Reise in Berlin. Für die Kenianer ist Deutschland aber auch ein wichtiger Wirtschaftspartner: Im Tourismus und als Kaffee-Abnehmer.

Schröder will in Kenia an einer ostafrikanischen Wirtschaftstagung teilnehmen und den deutschen Investor Beiersdorf besuchen. Der wirtschaftliche Schwerpunkt der Reise liegt aber in Südafrika, wo der Kanzler von Daimler-Chrysler-Chef Jürgen Schrempp begleitet wird. Der Automanager fördert seit langem das südliche Afrika und hat zu diesem Zweck die „Südliches Afrika Initiative der deutschen Wirtschaft“ ins Leben gerufen. Doch Südafrika sieht sich mit einer nationalen Katastrophe konfrontiert, die auch die wirtschaftliche Entwicklung bremst: Aids. Sie rafft vor allem junge Menschen im arbeitsfähigen Alter massenhaft dahin. Südafrikas Präsident Thabo Mbeki hat dieses Problem lange ignoriert. Wie aus Regierungskreisen verlautete, will Schröder das Thema bei seinem Treffen mit Mbeki ansprechen – und auch die Lage im Nachbarland Simbabwe. Der dortige Präsident, Robert Mugabe, hetzt schwarze und weiße Bevölkerungsgruppen systematisch gegeneinander auf. Der Eindruck im Westen: Afrika, besonders Südafrika, schaut dabei einfach weg. Mbeki sei ein wichtiger Vermittler im Simbabwe-Konflikt, wenn dies auch leise geschehe, heißt es hingegen in Berlin.

Engagement für die UN

Die Reise steht auch im Zeichen des deutschen Engagements für die UN. In Nairobi stehen Gespräche bei der dort ansässigen Umweltorganisation der UN, die der Deutsche Klaus Töpfer leitet, und einer weiteren UN-Institution auf dem Kanzler-Programm. Zum Abschluss seiner Tour wird Schröder am kommenden Samstag in Ghana außerdem Gast bei der Eröffnung eines nach UN-Generalsekretär Kofi Annan benannten Friedensforschungsinstituts sein.

Auffallend ist indes, dass Schröder kein französischsprachiges Land besucht. Offenbar wollte Berlin nicht mit Pariser Interessen in Konflikt geraten.

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