Zeitung Heute : Auf den digitalen Spuren des Weihnachtsmannes

BARBARA HALSIG

OTTAWA .Kinder in aller Welt, sofern sie Zugang zum Internet haben, können sich am Heiligabend beim Nordamerikanischen Verteidigungskommando Norad erkundigen, wo der Weihnachtsmann gerade seine Geschenke verteilt.Das ursprünglich für die Abwehr gegen sowjetische Bomberinvasionen über den Nordpol konzipierte gemeinsame Verteidigungskommando der USA und Kanadas nutzt seine militärische Luftaufklärungskapazität, um die Reise von "Santa Claus" von seiner Nordpol-Heimat rund um den Erdball zu verfolgen.Am Morgen des 24.Dezember um sieben Uhr New Yorker Zeit (13 Uhr MEZ) beginnen die Standort-Berichte, unterstützt von digitaler Animation, Satelliten- und Cockpit-Fotos und Audio-Reports, aufrufbar auf einer eigens dafür eingerichteten Web-Seite.23 Stunden später endet der Sondereinsatz mit der Rückkehr Santas zum Nordpol.

Die kinderfreundliche, am 12.Dezember neu eingerichtete Spezial-Webpage der Militärorganisation, die im Augenblick sogar auf ihrer normalen Homepage Rentiere und einen Weihnachtsmann laufen läßt, unterstreicht aufs Neue die vielfältigen Möglichkeiten des Internets.Mit der Suche nach Santa kann sich Norad einem Internet-Benutzerkreis vorstellen, dem das im Mai 40 Jahre alt gewordene Verteidigungskommando wenig oder gar nicht bekannt sein dürfte.

Nordamerikaner sind ohnehin Meister in spielerischem Lehrangebot.Informationen über Santa und Norad sind geschickt miteinander verknüpft, so beim Klicken auf die Sparte "Wie wir Santa aufspüren".Norad benutze dazu stationäre Satelliten, heißt es, mit infraroten Augen, "was bedeutet, sie können Hitze sehen".Die werde beim Start von Raketen oder Geschoßen produziert - und ebenso von der roten Nase des Rentiers Rudolph vor dem Schlitten Santas."Wir können Santa sehen wegen Rudolphs Nase.Wenn er Pause macht, sitzen wir in der Patsche", erklärt Norad.

Anhand der Ankunft Santas über Nordamerika wird erklärt, wie Eindringlinge von dem in Kalten Kriegszeiten bemannten, jetzt vollautomatisierten "Frühwarnsystem" in Kanadas hohem Norden erfaßt werden.Für Santa müsse die Sicht-Identifizierung durch zwei kanadische Kampfflugzeuge, die CF-18 Hornets, hinzukommen.Ohne die bleibe er ein "unbekanntes Weihnachtsobjekt", weil er den Behörden nun mal keinen Flugplan vorgelegt habe.

Die vielfältige Klickauswahl ermöglicht darüberhinaus Wahlmöglichkeiten bei den eingesetzten Vehikeln, etwa bei Santas Schlitten samt Gewicht, Schubkraft und Treibstoffverbrauch (Heu).Absolut ernsthaft werden danach die Daten für den Fighterjet CF-18 mit Bildern von beiden angezeigt.Es erübrigt sich zu melden, daß Norad auch über die Fähigkeit des "alten" Santa spekuliert, seit 1 500 Jahren jedes Jahr in nur 24 Stunden weltweit Geschenke durch Kamine zu stopfen.Mit wachsender Bevölkerung habe er nur noch zwei bis drei Zehntelsekunden Zeit, jedes Kind, das an Santa glaubt, aufzusuchen.Es müße damit zusammenhängen, daß Zeit und Raum für Santa etwas anderes sind als für Menschen, meint Norad.Zumindest der in Nordamerika aufgewachsenen, im Star-Trek-Denken vertrauten Jugend dürfte das Konzept keine Probleme bereiten.

Norad offeriert die Web-Seite leider nicht auf deutsch, dafür aber in relativ unkompliziertem Englisch sowie französisch, spanisch, italienisch und japanisch.Designer der Site ist Analytical Graphics.Verwaltet wird sie von IBM in der Infrastruktur der Olympischen Winterspiele 98 von Nagano.Wer keinen Internet-Zugang hat, darf sich nach alter, veralteter Sitte per Telefon im Norad-Bergbunker im US-Bundesstaat Colorado nach dem Weihnachtsmann erkundigen (Telefon: 001-719-474-3980).Mit einer falschen Nummer fing die Tradition vor 44 Jahren an.Norads Vorgänger-Organisation erhielt auf einmal zahlreiche Anrufe, nachdem eine lokale Santa-Hotline fehlgedruckt worden war.Ein Oberst Harry Shoup erzählte den Kindern im Ort als erster, daß Santa vom Radar erfaßt worden sei.Per Internet kann nun die Welt teilhaben.Heute schon nachzusehen, wo sich der Weihnachtsmann aufhält, bringt wenig, denn derzeit arbeitet er noch mit Hochdruck an der Fertigstellung der Geschenke im Spielzeugland.

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