Zeitung Heute : Auf den Nachweis kommt es an

KURT SAGATZ

Verunsicherte Kunden sollten sich beim PC-Kauf die Echtheit der Kompontenten bestätigen lassenVON KURT SAGATZ

Die schlechte Nachricht zum Anfang: Wer beim Kauf eines Rechners mit Intel Pentium-166-Chip einen gefälschten Prozessor untergeschoben bekommen hat, wird dies nur schwerlich merken.Selbst für Fachleute ist die Fälschung kaum zu erkennen.Die von der Münchener Polizei unter dem Decknamen "Goldfisch" ausgehobene internationale Betrügerbande hat sehr geschickt eine besondere Eigenschaft der Prozessoren für ihre Betrügereien genutzt.Die Chips, obwohl eigentlich für eine Taktfrequenz von 133 Megaherzt ausgelgt, arbeiten auch mit höheren Taktraten und funktionieren dann auch tatsächlich wie ein echter Pentium-166.Auch die Leistungsdaten geben kaum Auskunft darüber, ob die Zentraleinheit nun ein echter oder ein falscher 166-Megahertz-Chip ist - und eine fälschungssichere Hardwarekennung existiert nicht.Zum Leidwesen der ohnehin meist überforderten Kunden wird der Computerkauf damit endgültig zur Vertrauenssache, bei der man dem Händler auf Gedeih und Verderb ausgeliefert ist.Denn das Logo "Intel Inside" kann schließlich genauso gefälscht werden wie der Prozessor, das Herzstück des Computers. Einen verläßlichen Schutz vor gefälschten Computerbauteilen gibt es somit nicht.Darauf hat auch die Münchener Polizei aufmerksam gemacht.Ihr Ratschlag: Niemand hat etwas zu befürchten, der bei einem Fachhändler kauf.Gemeint sind damit natürlich die großen Ketten wie Vobis, Schadt oder Wegert, die ihre Waren aus bekannten Quellen beziehen.Die Nummer eins unter den großen Computerketten, Vobis, leistet sich sogar den Luxus, ihre Waren vor dem Einkauf durch die Abteilung "Technical engeneering" testen zu lassen, wie Janet Spacey-Rennings erklärt.Aber auch die vielen kleineren Computerhändler, von denen es gerade in Berlin eine erhebliche Zahl gibt, kaufen in der Regel von direkten Zwischenhändlern der großen Chiphersteller wie Intel, Cyrix oder AMD.Der Kauf über Distributoren wie Computer 2000, Peacock oder Actebis sei ebenfalls ein guter Schutz vor gefälschten oder frisierten Teilen, sagt der Geschäftsführer des Berliner Computer-Fachgeschäfte PCC, Carsten Reetz.Wer als Händler von dubiosen oder unbekannten Firmen Computerteile erwerbe, sei sich des Risikos durchaus bewußt, daß möglicherweise nicht alles in Ordnung ist."Wir garantieren unseren Kunden wenn gewünscht auch schriftlich, daß bei uns auch drin ist, was drauf steht", so Reetz. Wer nicht allein dem netten Gesicht des Verkäufers glauben will, ist somit gut beraten, sich die Echtheit der eingebauten Teile bestätigen zu lassen.Der Kunde solle ruhig von seinen Händler den Nachweis über den Kauf der Prozessoren fordern, rät Intel-Pressesprecher Georg Albrecht.Ob dies der Weisheit letzter Schluß muß allerdings bezweifelt werden, eine eindeutige Kennzeichnung der Chips mit Seriennnumern wäre möglicherweise der sichere Weg. Wo Intel draufsteht, muß nicht Intel drin seinIndizien auf gefälschte ProzessorenVON WERNER SCHMIDT

Zehntausendfach sind in der Vergangenheit preiswerte Intel-Prozessoren wie der Pentium 75 von Fälschern "aufgerüstet" worden.Ein anderer Aufdruck - schon war ein Pentium 75 zu einem teuren und leistungsfähigeren Pentium 100 mutiert.Im Oktober wurde in Berlin ein Hongkong-Chinese zu 14 Monaten Haft auf Bewährung verurteilt, weil er mindestens 100 verfälschte Prozessoren verkauft hatte.Für einen normalen PC-Besitzer sind die Fälschungen nicht erkennbar.Es gibt aber nach Auskunft von Stefan Redlich - er ist Computerexperte beim Berliner Landeskriminalamt - Indizien, die auf einen minderwertigen Prozessor deuten können, beispielseise wenn Programme ständig ohne erkennbare Ursache abstürzen. Die Fälscher schleifen den Aufdruck auf dem Porzellan-Sockel ab und bedrucken ihn neu.Es bleiben Schleifspuren, die aber erst mit etwa 50facher Vergößerung erkennbar sind.Die Oberfläche des Originals dagegen ist glatt, sagte Redlich.Naturen mit Fingerspitzengefühl können dies bei sanften Darüberstreichen fühlen, allerdings müssen schon Original und Fälschung zum Vergleich nebeneinanderliegen. Beim Abschleifen der Oberfläche werden auch die geschrägten Kanten des Pentium-Sockels weitgehend entfernt.Fehlen sie, so kann dies ein weiterer Hinweis auf eine mögliche Fälschung sein.Gewißheit kann aber nur eine genaue Untersuchung geben. Neuerdings kennzeichnet Intel die Prozessoren.Eine Prägung auf der Unterseite verhindert ein Abschleifen, ohne daß der Chip zerstört wird.So sind Pentium-75-Prozessoren mit der Kennung "i75", 133er mit "i133" oder "iPP versehen, sagte Redlich.Wer ganz sicher gehen will, daß der Prozessor hält, was auf ihm steht, sollte auf "Pentium-in-a-Box" zurückgreifen.Dieser wird in einer versiegelten Hülle mit Echtheitszertifikat verkauft.Diese CPU kostet aber auch etwas mehr.

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