Zeitung Heute : Auf den Spuren der "Titanic"

MAREN PETERS

Die Sehnsucht, dem wohl berühmtesten Wrack der Welt auf die Spur zu kommen, hat durch James Camerons Epos "Titanic" eine neue Dimension erreicht.Die Chancen auf Realisierung stehen so gut wie nie, ist doch die "Expedition zur Titanic" jetzt auch vom heimischen PC aus möglich: Seit Anfang November ist die deutschsprachige CD-ROM auf dem Markt.Mit Romantik hat das "authentische Simulationsspiel" allerdings wenig zu tun, gefragt sind vielmehr systematisches Vorgehen, nüchterne Entscheidungen und vor allem: Ausdauer.

Um einen Blick auf das Wrack der Wracks werfen zu dürfen, muß sich der Spieler zunächst einer Art nautischer Grundausbildung unterziehen.Schlafmützigkeit rächt sich, denn wer nicht aufpaßt, säuft später ab.Schlimmstenfalls.Um das zu verhindern, wird der PC-Kapitän vor Beginn des Abenteuers in einem kurzen Film auf seine Tiefsee-Missionen vorbereitet.Es sind gleich drei: erst wenn das römische Handelsschiff "Isis" und das deutsche Schlachtschiff "Bismarck" geborgen sind, darf auch die "Titanic" in Angriff genommen werden.

Ausgangspunkt der Mission ist der kleine Seehafen Seaton, ein lauschiges Örtchen mit kreischenden Möwen, einem kleinen Büro, Museum und Werkstatt.Bei einem 3D-Spaziergang durch das Gelände und seine Gebäude - die Richtung bestimmt der Spieler mit der Maus - machen ihn Crew-Mitglieder mit den Realitäten des Wrackforscherlebens vertraut.Ein Mausklick bringt sie zum Sprechen.Aber Vorsicht: Nicht allen kann man trauen.

Das Budget ist begrenzt.Um möglichst viele Tage auf See verbringen zu können, muß der Spieler sich genau überlegen, was - und wen - er mitnimmt.Elisabeth etwa ist zwar eine hervorragend qualifizierte Forscherin, aber chronisch seekrank.Darf sie trotzdem mitfahren? Und was ist mit dem teuren Roboter "Jason"? Ist nicht auch die günstigere Alternative "Sonar" ausreichend, das die Unterwasserwelt großflächig aber auch nachlässiger durchkämmt und schon mal den einen oder anderen Schatz links liegen läßt?

Das A und O des Spiels, das merkt man spätestens nach der ersten ergebnislosen Mission, ist die Vorbereitung.Bevor der Forscher in See sticht, sollte er im Museum versuchen, Anhaltspunkte für den Fundort des Wracks zu finden, in der Werkstatt detaillierte Informationen über die technischen Hilfsmittel einholen und sich in einem Trainings-Tauchkurs sorgfältig auf den Ernstfall vorbereiten.Ein ausführliches Handbuch erleichtert den Einstieg.Um die Geräte wirklich in den Griff zu bekommen, ist aber dennoch viel Übung erforderlich.Dann - endlich - geht es auf See.Aufgabe des Spielers ist es, mit Hilfe der von ihm ausgewählten Geräte das Wrack in der Tiefe des Meeres ausfindig zu machen und seinen Fund fotografisch zu dokumentieren.Wenn er die Mission in der vorgegebenen Zeit ausführt und dabei auch noch die Crew bei Laune hält, qualifiziert er sich für die nächste Runde.

Bis das erste Unterwasserbild der "Isis", "Bismarck" oder "Titanic" auf den Schirmen des Schiffs-Steuerraums erscheint, können Stunden - oder gar Tage - ins Land ziehen.Pech, wenn dabei der Rechner abstürzt, denn Spielstände werden nicht automatisch gespeichert.Das Spiel ist um größtmögliche Authentizität bemüht.Bei der Entwicklung der CD-ROM stand der Tiefseeforscher Robert Ballard mit Rat und Tat zur Seite, der 1985 mit der Entdeckung des gesunkenen Luxusliners "Titanic" weltberühmt wurde.

"Expedition zur Titanic" ist ein anspruchsvolles, grafisch aufwendig und realitätsnah gestaltetes Strategiespiel für ausdauernde Spieler, die eine gehörige Portion Forscherehrgeiz mitbringen sollten."Das Spiel ist auf mehrere Wochen angelegt", bestätigt die Pressesprecherin des Verlages, Sabine Reinhart.Um durchzuhalten, braucht es einen langen Atem.Alsdann, Mast- und Schotbruch.

Systemvoraussetzungen: Windows 95, Multimedia-Pentium PC (besser Pentium II), mindestens 16 MB (empfohlen: 32 MB).Die CD-ROM ist bei United Soft Media erschienen und kostet 49,95 DM.

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