Zeitung Heute : Auf der ersten "FirstTuesday" in Berlin suchen Ideen Geldgeber

Klaus Angermann

Berlin war am Dienstag Treffpunkt für einige hundert Menschen auf der Suche nach einem ganz besonderen Typus des Traumpartners. Denn beim "FirstTuesday Berlin" war nicht der Bund fürs Eheleben gefragt; vielmehr suchten aufstrebende Unternehmensgründer aus der Welt der neuen Medien nach Geschäftspartnern oder schlicht Geldgebern.

Die Veranstaltungsreihe FirstTuesday, ursprünglich aus einer Kneipenidee entstanden, wurde vor zwei Jahren von vier Unternehmensgründern aus der Taufe gehoben. War noch im August 1999 mit London lediglich eine Stadt involviert, sind es mit Berlin weltweit nun schon 30 Metropolen, in denen sich die einschlägige Szene jeden ersten Dienstag im Monat zum Erfahrungsaustausch trifft. Die Idee hinter FirstTuesday: Als Business-to-Business Plattform werden Ideen- und Geldgeber zusammengeführt. Das FirstTuesday-Team ist weder Investor noch Finanzierer, sondern sorgt für das richtige Ambiente für die Kontaktanbahnung für die so genannten Entrepreneure, die Geldgeber treffen wollen.

Entrepreneur ist lediglich ein Synonym für Unternehmer, spannender ist da schon die Umschreibung Inkubator: Der Begriff ist aus der Medizin entlehnt und bedeutet "geschlossenes Aufzuchtgerät für unreife Frühgeborene", ein Brutschrank also. Inkubatoren wollen Existenzgründer als Geburtshelfer im globalen E-Business überlebensfähig machen.

Was unterscheidet nun Inkubatoren von sonstigen Geldgebern im schnelllebigen E-Business? "Wir bieten den Jungunternehmern neben Investitionen unter anderem wichtige Kontakte, Consulting und führen bei Bedarf Coaching durch", erläutert Frank Lichtenberg von der IVC Venture Capital AG. Außerdem steigen die Inkubatoren bereits zu einem früheren Zeitpunkt in die Firma ein als beispielsweise ein Venture Kapitalgeber. Wie bei Kapitalgebern üblich werden im Gegenzug Beteiligungen am Unternehmen, je nach Aufwand und Inkubator zwischen einem und 40 Prozent, verlangt.

FirstTuesday hat es sich daneben zur Aufgabe gemacht, Diskussionszirkel zu fördern. In der Realität sieht das folgendermaßen aus: Die Teilnehmer an den Veranstaltungen können zu Beginn ihre Position für alle sichtbar machen. Dazu haben sich die Gründer des Events eine ebenso einfache wie unterhaltsame Kennzeichnung durch farbige Punkte einfallen lassen: So markieren sich Unternehmensgründer in spe (die in der Regel etwa 60 Prozent der Anwesenden ausmachen) mit einem grünen Punkt, Investoren hingegen (circa 20 Prozent) wählen einen roten Punkt. Außerdem gibt es noch den gelben Punkt für Beobachter und Unentschlossene.

Neben diesem Networking wurde bei dem ersten Berliner Treffen auf der Podiumsdiskussion auch über den genauen Nutzen von Inkubatoren diskutiert. Eine illustre Runde mit Vertretern etablierter Unternehmen wie beispielsweise eBay/Silicon City, der econa AG oder IVC versuchte vergeblich, den Königsweg zur Unternehmensgründung herauszufinden. Einig war man sich immerhin bei der Einschätzung, dass ein vernünftiges Konzept und professionelles Management die Grundvoraussetzungen für eine Unternehmensgründung sind. Gleichwohl ist Incubating nicht das Allheilmittel, wie Karel Dörner von eBay kritisch einwarf. Wichtiger sind für ihn die Teamarbeit und der Glaube in die eigene Stärke: "An erster Stelle steht das Team und die konsequente Verfolgung eigener Ziele", so Dörner. "Erst danach kommt Incubating als zweitbeste Lösung."

Eines kam bei der Diskussion allerdings schnell heraus: Ist das Incubating in Amerika längst eine etablierte Praktik im Internet-Geschäft, fehlen in Deutschland noch Erfahrungswerte über Sinn und Effizienz dieser Förderungspraxis. Aber das kann sich ändern, an einem der nächsten ersten Dienstage im Monat.

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