Zeitung Heute : Auf der IFA verschmelzen Internet und Fernsehen

KURT SAGATZ

Unterschiedliche Varianten / Vom integrierten PC über die Zusatzbox bis hin zur Nutzung des TV-Gerätes als Computer-MonitorVON KURT SAGATZ

Das Internet ist auf dem Weg zum Massenmedium.Zwischen 40 und 60 Millionen Menschen tauschen weltweit über das Datennetz Informationen aus, rufen Seiten aus dem World Wide Web ab, versenden E-Mails, diskutieren in News-Groups oder erledigen ihre Bankgeschäfte online.Indiz für den hohen Stellenwert des neuen Mediums ist auch, daß immer mehr Unternehmen in ihrer Fernsehwerbung ihre Internet-Adresse einblenden und zu fast jeder TV-Sendung die passende Web-Site existiert.Kein Wunder also, daß beinahe jeder Hersteller von TV-Geräten derzeit versucht, Internet und Fernseher unter einen Hut zu bringen.Die auf der IFA ausgestellten Lösungen zeigen indes, daß sich die einzelnen Konzepte erheblich unterscheiden. Grob gesehen existieren für die Nutzung des Internets über den Fernseher drei Konzepte.Bei der ersten Variante ist das TV-Gerät das Ausgabegerät für einen handelsüblichen Computer.Das zweite Konzept bietet ein All-in-One-Gerät, das sowohl einen leistungsfähigen Computer als auch ein marktübliches Fernsehgerät ­ zum Teil sogar im 16:9-Format ­ enthält.Bei der dritten Variante wird über eine externe Box, die über Scart- oder VGA-Schnittstelle mit der TV-Einheit gekoppelt ist, die Verbindung mit dem Internet aufgebaut.Bei allen drei Modellen befinden sich in der Fernbedienung spezielle Steuerelemente, mit denen Fernsehzuschauer zu Internet-Surfern werden können.Zugleich bieten die Hersteller optional Tastaturen an, die per Infrarot mit dem Fernseher kommunizieren. Zum Typ der Alleskönner gehören die Metec-Geräte der "Computel"-Familie.Der integrierte PC arbeitet mit modernen Intel-Prozessoren, Modems oder ISDN-Karten, die Bildröhre unterstützt wahlweise 50- und 100-Hertz-Technologie.Das Spitzenprodukt "ComViTel" enthält eine Komplettausstattung mit Kamera, Mikrofon und wahlweise DVD.Entscheidender Nachteil dieses Gerätes: Die derzeit durchaus leistungsfähigen Komponenten werden in spätestens zwei, drei Jahren veraltet sein. Dieses Problem kennen die Web-Fernseher von RFT Stassfurt nicht.Bei den Ostdeutschen wird beispielsweise der Colani TV 72-4000 MS als Computermonitor genutzt.Die eingebaute S-VGA-Schnittstelle des 100-Hertz-Gerätes bringt brillante Web-Seiten auf den Schirm, die auch aus größerer Entfernung gut zu lesen sind.Und ist der Computer nicht mehr up-to-date, wird er einfach ausgetauscht. Der Wechsel auf die jeweils technisch aktuellste Hardware hat natürlich seinen Preis.Günstiger sind da Settop-Boxen zum Empfang des Internets, wie sie demnächst von Philips und Grundig angeboten werden.Von seinen "WebTV" hat Philips in den Staaten bereits 1,5 Millionen Stück verkauft, der Preis liegt dort bei 169 Dollar für die Box plus 69 Dollar für die Tastatur.Allerdings ist die lizensierte Software nicht in der Lage, Web-Seiten anzuzeigen, die mit der Rahmentechnologie arbeiten.Derzeit verfügt die Box über ein schnelles Analog-Modem, die deutsche Variante, die für Anfang 1998 angekündigt wurde, soll aber wahlweise auch ISDN unterstützen.Das Grundig-Pendant, die "WebBox", arbeitet ebenfalls mit einem analogen Modem und einer eigenen Software, die auch Frame-Seiten darstellen kann.Der Preis wird bei 799 Mark liegen, die Infrarot-Tastatur kostet 129 Mark extra.Die Geräte sollen im Oktober auf den Markt kommen.Beide Typen sind nicht als Ersatz eines Computers gedacht, sondern sollen den schnellen Wechsel zwischen TV und Internet ermöglichen.Ein Clou der WebBox.Das Gerät funktioniert nur bei eingeschobener Smart Card, echt kindersicher. Technisch gesehen ist der Übergang vom Fernsehprogramm zum Internet mit all diesen Geräten für motivierte Laien möglich.Ob Web-TV zum Renner wird, ist trotzdem fraglich.Denn ob der Zuschauer bereit ist, neben Kabelgebühr und GEZ-Beitrag noch Online-Kosten zu bezahlen, ist mehr als fraglich.Denn diese Kosten läppern sich, weil neben der Telekom-Verbindung noch eine meist pauschalisierte Gebühr beim Provider monatlich fällig ist.Zehn Mark pro Stunde Online-Zeit sind da nicht die Ausnahme, sondern die Regel.

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