Zeitung Heute : Auf der Suche nach der weißen Bluse im Telekatalog

TOM VIERKE

BERLIN .Vom Internet-Provider über den Softwareentwickler, vom Webdesigner bis hin zum Spezialanbieter von Kompressionsverfahren - auf der Internet World waren alle Facetten des Internet-Geschäftes vertreten.Neben den Themen E-Commerce und Datenschutz ging es drei Tage lang auch um neue Lernmethoden, Stichwort "Telelearning".

Die Firma ets ( www.ets-online.de ) aus dem bayerischen Halblech präsentierte das System Distance-Learning.Dabei treten Tutor und Schüler per E-Mail oder "Netmeeting" in Kontakt."Netmeeting" ermöglicht eine sogenannte synchrone Kommunikation.Durch diese kann ein Unterrichtsverbund - die Klasse - nachgebildet werden.Es ist sogar möglich, daß die Schüler eine gestellte Aufgabe gemeinsam lösen.Mittels "Application-Sharing" können sie zeitgleich auf ein Programm zugreifen.Jeder Teilnehmer kann damit am Bildschirm verfolgen, welche Fortschritte das gemeinsam erstellte Dokument macht.Der Tutor verfolgt die Eingaben auf dem Bildschirm.Er muß sie koordinieren, denn wenn mehrere Schüler gleichzeitig schreiben wollen, bricht das Chaos aus.

Andere Teile des Distance-Learning-Systems arbeiten asynchron.Dann arbeiten die Lernenden selbständig und zeitlich unabhängig ein heruntergeladenes Lehrgangsmodul ab.Die bearbeiteten Aufgaben werden vom Tutor geprüft, Fehler können dann individuell besprochen werden.In der Oberfläche der Software ist außerdem eine Caféteria integriert, in der die Schüler ihre Pausen verbringen und miteinander in Kontakt treten können - wenn sie bis dahin noch nicht genug vom Computer haben.Distance-Learning ist ein Teil des T-Online Forums Global-Learning ( www.global-learning.de ), das Bildungsangebote im Internet koordiniert.

Nicht "Lernen" sondern "Kennenlernen" ist das Motto bei Cy-Berlin ( www.cyberlin.de ).Hier bieten sich Chatmöglichkeiten der besonderen Art.Wer durch das dreidimensionale Berlin schlendert, trifft auf andere Passanten, mit denen er sich unterhalten kann.Beim Plausch erscheint das Gesprochene als Text neben den Figuren.Bisher sind nur einige Gebiete des Berliner Stadtraumes, wie der Pariser Platz, umgesetzt."Die Stadt wird, wie jede andere Stadt auch, wachsen", sagte Andrea Pawlowski auf der Messe.Sie hofft auch, daß sich Interessenten finden, die mithelfen wollen, weitere Teile der Stadt zu realisieren.Gleichzeitig sollen Firmen gewonnen werden, die sich hier präsentieren.Andrea Pawlowski schwebt die Stadt "als ein Büro vor, das 24 Stunden geöffnet hat." Von Kultur bis Kommerz soll alles dabei sein.

Gleich zwei Berliner Unternehmen zeigten Kompressionslösungen für Bilddateien, basierend auf der Wavelet-Technologie.Klaus Jung, Entwicklungsleiter der Firma AlgoVision ( www.algovision.com ) in Lankwitz hofft, daß diese Technologie vor allem Anklang bei Anbietern von Bilddatenbanken und Versandhäusern findet.Er demonstrierte die Vorteile an einem Modekatalog."Ein Katalog im Internet sollte so zu benutzen sein, wie ein herkömmlicher papierner Katalog", erläuterte er."Wenn eine Kundin eine weiße Bluse sucht, dann möchte sie nicht auf jeder Seite ewig warten, bis sie sieht um was es sich handelt." Bilder, die mit der Lösung von AlgoVision komprimiert sind, bauen sich trotz hoher Farbinformation nicht langsam von oben nach unten auf.Sie werden förmlich eingeblendet."Die Kundin sieht schon nach kurzer Zeit, ob es sich um die gewünschte Bluse handelt." Die Bilddatei ist dabei so aufgebaut, daß verschiedene Bildebenen hintereinander übertragen werden.Je mehr Bildebenen übertragen wurden, desto schärfer wird das Bild.Ob es sich überhaupt um eine Bluse handelt, sieht man auch mit nur wenig Detailinformationen, wer will kann dann schnell weiterklicken.Auch Uwe-Erik Martin von LuraTech ( www.luratech.com ) aus Adlershof hat die Wavelet-Technologie weiterentwickelt.Bei seinem Zusatzprogramm "LuraWave" kann der Betrachter entscheiden, wieviele Detailinformationen er überhaupt angeboten bekommt - will er mehr sehen, kann er weitere Ebenen nachladen.Machbar ist auch, daß lediglich die Details eines Bildausschnittes maximiert werden.Außerdem lassen sich einzelne Ebenen durch den Anbieter mit einem Paßwort schützen.Das macht "LuraWave" geeignet, um Bilder im Internet zu verkaufen.

Während LuraTech sich im vergangenen Jahr schon auf der Internet World präsentierte, war AlgoVision wie viele andere Firmen in diesem Jahr auch zum ersten Mal dabei.Veranstalter ComMunic und WebMedia können auf eine beachtliche Steigerung verweisen: Gegenüber 141 Ausstellern im Vorjahr hat sich - mit 259 in diesem Jahr - die Zahl fast verdoppelt.Auch beim Publikum erwarten die Veranstalter einen Rekord.Sie rechneten bei Redaktionsschluß damit, daß bis zum Ende der Messe 30 000 Besucher den Weg unter den Funkturm gefunden haben werden.Ihre Zahl hätte sich dann, nach 11 283 Besuchern im Vorjahr, nahezu verdreifacht.

Tagesspiegel - Debatten


Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben