Zeitung Heute : Auf die Plätze . . .

Wer sich jetzt engagiert um einen Ausbildungsplatz bemüht, hat die besten Chancen

Friedrich Geiger

Für Jugendliche, die im Sommer die Schule abschließen, beginnt jetzt die Lehrstellensuche. In den vergangenen Jahren gingen dabei stets Tausende leer aus. Die Experten sind sich einig: Wer früh mit der Suche beginnt und sich engagiert bemüht, hat die besten Chancen, ab Herbst seinen Traumberuf zu erlernen.

Die Bewerbungsfristen unterscheiden sich von Beruf zu Beruf. Banken zum Beispiel vergeben ihre Ausbildungsplätze vielfach schon zum Jahresanfang. Handwerksbetriebe wollen sich dagegen häufig erst im September, Oktober oder sogar November festlegen.

Der Geschäftsführer der Berliner Handwerkskammer, Ulrich Wiegand, empfiehlt gleichwohl, schon jetzt mit der Suche zu beginnen. „Die Jugendlichen sollten am Ball bleiben“, rät Wiegand. Wenn sie jetzt bei einem Handwerksbetrieb anfragen und der Meister weiß noch nicht, ob er zum Herbst einen Lehrling einstellen möchte, sollten sie es vier Wochen später noch einmal versuchen.

Auch die Arbeitsagenturen raten zur Eigeninitiative. „Selber Firmen suchen, die den Ausbildungsberuf anbieten und sich dort vorstellen. Das macht beim Chef immer einen guten Eindruck“, empfiehlt der Sprecher der Berliner Regionaldirektion, Olaf Möller. Die Jugendlichen sollten zudem Freunde und Verwandte ansprechen. „Da kommen oft Ideen und Unterstützung, die man gar nicht erwartet hätte“, berichtet er.

Wer keinen Ausbildungsplatz findet, kann auch versuchen, Firmen zu überreden, eine zusätzliche Stelle zu schaffen. Die Industrie- und Handelskammer (UHK) erlebt immer wieder, dass Jugendliche damit erfolgreich sind. Die Betriebe bilden dann häufig zum ersten mal aus, berichtet die Bereichsleiterin Berufsausbildung der Berliner IHK, Eleonore Bausch. „Vor allem bei Betrieben mit Migrationshintergrund kann es funktionieren, wenn man den Onkel bittet, einen Ausbildungsplatz einzurichten.“

Wenn auch das nicht hilft, bleibt immer noch der Umzug in eine andere Stadt. „Die Lehrstellensituation ist in Südwestdeutschland tatsächlich entspannter“, meint Möller. Die Berufsberatungen der Arbeitsagenturen unterstützen bei der überregionalen Suche. Bevor die Absolventen in die Ferne schweifen, können sie es aber in Berlin probieren. IHK und Handwerkskammer veranstalten am 5. und 6. April eine Ausbildungsmesse, die die Jugendlichen über die verschiedenen Berufsbilder informiert. Rund 70 Betriebe geben im Congress und Event Center Tempelhof Auskunft über 120 Berufe. Dort sind auch viele Azubis, die selbst über ihre Ausbildung berichten.

Die Handwerkskammer empfiehlt allen Schulabgängern, die Messe zu besuchen. „Es gibt viele Berufe, von denen die Jugendlichen gar nichts wissen“, berichtet die Sprecherin der Berliner Handwerkskammer, Susan Shakery. Die meisten Schulabgänger würden sich auf nur 10 der 119 angebotenen Handwerksberufe stürzen. Grundsätzlich liegen die Interessen der Jugendlichen und das Angebot der Betriebe nicht sehr weit auseinander, hat der Geschäftsführer der Handwerkskammer, Wiegand, festgestellt. So ist zum Beispiel die Elektrotechnik bei jungen Männern begehrt und es gibt auch viele entsprechende Ausbildungsplätze: „Der Bereich Elektro ist von den Betrieben bis zuletzt gesucht worden“, berichtet Wiegand vom vergangenen Herbst.

Auch angehende Fachinformatiker brauchen keine Angst vor zukünftiger Arbeitslosigkeit haben, meint Jens Kersten, Ausbilder bei dem IT-Unternehmen Gedas: „Der Bedarf ist da, die haben auf jeden Fall gute Arbeitsplatzchancen.“ Die Tätigkeit habe den bisherigen Azubis großen Spaß bereitet, berichtet er: „Die waren mit Feuer und Flamme dabei.“

Die IHK erwartet für diesen Herbst keinen Mangel an Lehrstellen. Im Bereich der IHK, also ohne die Handwerksbetriebe, würden dieses Jahr so viele Lehrstellen anbieten wie im vergangenen Jahr – 11 500 bis 12 000, meint Bereichsleiterin Bausch. Bei den Berliner Arbeitsagenturen stehen derzeit 8000 freien Stellen 13 000 Suchende gegenüber. Sprecher Möller erwartet aber, dass die Betriebe in den nächsten Wochen noch viele freie Stellen melden. Die Gewerkschaften verweisen dagegen darauf, dass in den vergangenen Jahren regelmäßig mehrere Tausend Bewerber ohne Lehrstelle blieben und sind daher skeptisch, ob es diesen Herbst besser aussehen wird.

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