Zeitung Heute : Auf Einkaufstour

Dagmar Rosenfeld

Der amerikanische Konzern Procter & Gamble fusioniert mit Gillette. Was wären Auswirkungen für die deutsche Belegschaft – und für Wettbewerber wie zum Beispiel Unilever?

Der amerikanische Konsumgüterkonzern Procter&Gamble kauft „das Beste im Mann“: Für 57 Milliarden Dollar übernehmen die Amerikaner Gillette. Das Unternehmen ist weltweit bekannt für seine Rasierapparate, stellt aber auch Oral-B- Zahnbürsten, Braun- Haushaltsgeräte und Duracel-Batterien her. Analysten sprechen von einer „Megafusion“, weil sich hier zwei starke Konzerne zusammentun, die nun gemeinsam ihre Marktposition massiv ausbauen können. Solche Zusammenschlüsse bedeuten aber immer auch, dass Stellen abgebaut werden. Beide Unternehmen zusammen beschäftigen derzeit weltweit etwa 140000 Mitarbeiter – 6000 von ihnen werden gehen müssen. Inwieweit die deutschen Standorte von Procter&Gamble und Gillette betroffen sein werden, dazu wollen sich die Konzerne noch nicht äußern. Procter&Gamble hat seinen deutschen Hauptsitz in Schwalbach bei Frankfurt und beschäftigt hier zu Lande insgesamt 6500 Mitarbeiter, bei der Gillette-Gruppe sind es etwa 6000.

Die Gewerkschaften jedenfalls beobachten das Zusammengehen skeptisch und fürchten „eine Amerikanisierung“. „Wichtige strategische Entscheidungen werden dann nicht mehr vor Ort getroffen, die deutschen Werke werden das Nachsehen haben“, heißt es bei der IG Metall. Vor allem die Mitarbeiter der Gillette-Tochter Braun in Krombach sind verunsichert. Zwar ist Braun mit seinen elektrischen Rasierern Weltmarktführer und arbeitet in diesem Bereich hochprofitabel (1,8 Milliarden US-Dollar Umsatz in 2003), doch für die Sparte Haushaltsgeräte könnte es eng werden. Denn die passt so gar nicht in das Portfolio von Procter&Gamble. „Da muss man Geld für Innovationen reinstecken, und das wird sich Procter&Gamble zweimal überlegen“, sagt Bernd Rübsamen, Bevollmächtigter der IG Metall in Frankfurt.

Procter&Gamble jedenfalls wird mit der Übernahme von Gillette zum größten Konsumgüterhersteller der Welt. Unter dem Dach des Konzerns sind Marken wie Pampers, Meister Proper, Tempo oder Lenor zu Hause. Die meisten großen Unternehmen in der Konsumgüterindustrie – wie Nestlé oder Unilever – sind ähnlich aufgestellt: Sie vereinen viele Marken unter einem Dach. Zu dem britisch-niederländischen Konzern Unilever – nach Procter&Gamble die Nummer zwei – gehören beispielsweise Iglo, Knorr, Axe oder Domestos.

Aber während Proctor&Gamble auf Einkaufstour geht – im vergangenen Jahr kauften die Amerikaner für 6,6 Milliarden Euro Wella – versucht Unilever seine Konzernmarken zu reduzieren. „Pfad zum Wachstum“ heißt das Unternehmensprogramm, das den Verkauf von Marken und Kostenkürzungen vorsieht. Doch mit der Gillette-Übernahme hat Procter&Gamble den Konkurrenten weit abgehängt. Jetzt muss Unilever eigentlich nachziehen. In Analystenkreisen wird bereits über mögliche Übernahmekandidaten spekuliert. Als ein Favorit gilt der französische Rasierer- und Feuerzeughersteller Bic. Denn Bic ist im Geschäft mit Rasierern der größte Konkurrent von Gillette.

Tagesspiegel - Debatten


Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben