Zeitung Heute : Auf geht’s los! Rot
01.06.2011 02:00 UhrTegel ist gelb, Frankfurt ist blau, Peking auch. Gemeint sind die Farben der Informationsleitsysteme dieser Flughäfen. Und wenn man sich in der Welt umschaut, sind die meisten gelb mit schwarzer Schrift. Das hebt sich besonders gut von der Umgebung ab, heißt es. Der Hauptstadtflughafen Berlin Brandenburg „Willy Brandt“ bricht mit dieser Tradition und arbeitet mit Rot.
„Rot ist die Farbe von Berlin und Brandenburg und wird die Akzentfarbe des BBI“, erläutert Informationsdesignerin Sibylle Schlaich. „Aber unser Rot ist nicht grell, sondern ein qualitativ hochwertiges, venezianisches Rot.“ Durch ein besonderes Druckverfahren und eine dezente Beleuchtung der Schilder bleibt die Farbe auch bei unterschiedlichen Lichtsituationen und Materialien immer gleich.
Und durch die sogenannte Tonwertoptimierung kann auf eine farbliche Kodierung verschiedener Flughafenbereiche durch verschiedene Farben verzichtet werden. Stattdessen werden Hervorhebungen durch unterschiedliche Tonwerte des gewählten Rottons möglich. Damit die weiße Schrift auf den Schildern keine „Löcher“ in die Beschilderung reißt, wird der Weißton durch ein horizontales Linienraster gebrochen. Das Zusammenspiel der Farben und das unmerkliche Glimmen der Schilder garantiert, dass die Informationen stets gut lesbar sind, die Schilder aber nicht aufdringlich wirken, so Schlaich.
Neben der Farbe ist auch die Integration des Leitsystems in die Architektur des Flughafens eine Besonderheit. Denn während an anderen Flughäfen die Beschilderung geplant wird, wenn das Gebäude bereits steht, hat das für den BBI verantwortliche Architektenteam von gmp und JSK Sibylle Schlaich, Heike Nehl und Isolde Ney, die Geschäftsführerinnen des Büros Moniteurs (Berlin), frühzeitig mit an Bord geholt. So ist das Leitsystem der Architektur von Anfang an angepasst worden: Es wird hier 3000 Schilder (sic!) geben – aber keines, das von der Decke baumeln wird oder wie Fremdkörper im Raum wirken könnte. Vor fünf Monaten wurde Moniteurs von den Berliner Flughäfen mit dem Gesamtkonzept beauftragt. Das heißt, die drei Geschäftsführerinnen koordinieren alles, was mit den Themen „Orientieren“ und „Leiten“ am Flughafen zu tun hat – wie zum Beispiel das Fußgängerleitsystem, die Verkehrsbeschilderung zum Terminal, zu den Parkhäusern und zu den Betriebsgebäuden. Alles wird aus einem Guss sein, eine durchgängige Informationskette. „Bei diesem Projekt geht es um Details“, sagt Schlaich. „Kein Design nach Schema F.“
Dazu gehört auch die Schrift, die von Alexander Branczyk im kreativen Zusammenspiel mit Georg Seifert exklusiv entwickelt wurde. Auch sie leitet sich von der Formsprache der Architektur ab und ermöglicht durch ihre Klarheit und Sichtbarkeit eine visuelle Erschließung des Gebäudes. Als Font muss die neue Schrift dabei nicht nur den Kriterien der Lesbarkeit gerecht werden, sondern als Handschrift des BBI auch der Identität „Berlin-Brandenburg“. So wurde etwa eine typografische Besonderheit aus Berlin, das auf Straßenschildern als ein Buchstabe geschriebene „tz“, ebenso integriert, wie das „ß“, das wie eine verlängerte 3 wirkt. Und dass es sich beim BBI um einen Flughafen handelt, haben die Typografen bei ihrem Entwurf ebenfalls berücksichtigt. „Bei den Wörtern ‚Abflug‘ und ‚Ankunft‘ wird man sehen, dass das ‚f‘ sich mit seinem Abstrich in den Himmel streckt und das ‚g‘ dagegen in den Boden geht“, erklärt Branczyk, dessen Agentur Xplicit viel Erfahrung mit Schriften hat.
Was die Typografie darüber hinaus interessant macht, ist, dass sie als Teil der Corporate Identity dieses Airports nicht nur im Leitsystem Verwendung finden wird, sondern auch im Corporate Design, sprich auf Briefbögen, auf den Visitenkarten der Flughafenmitarbeiter oder in den Informationsbroschüren. Dafür gibt es eine ganze Reihe von Versionen für verschiedene Alphabete. „Das ist eine umfangreiche Schrift, ein Weltfont“, sagt Branczyk und betont, dass sie gleichzeitig einen klaren Bezug zu Berlin hat. „Der Font ist hauptstädtisch und repräsentativ und bezieht sich auf die gradlinige, quadratische Formsprache Berliner Architektur, wie etwa Mies van der Rohes Nationalgalerie oder das von Schinkel entworfene Neue Museum.“ Tong-Jin Smith








