Zeitung Heute : Auf Jobsuche im World Wide Web

KLAUS ANGERMANN

Seit Jahren ist Deutschland von einer anhaltenden Arbeitsplatzkrise betroffen, die nach Ansicht von Experten auch in den nächsten Jahren nur schwerlich zu meistern sein wird.Die Arbeitsämter werden von den über vier Millionen Arbeitslosen förmlich überrollt, die überfüllten Amtsstuben können die Aufgabe kaum noch bewältigen.

Um diese Situation zu entschärfen, nutzt das Arbeitsamt unter der Adresse www.arbeitsamt.de seit April letzten Jahres die Internetpräsenz, um zusätzliche Informationen zu Beratungen und Vermittlungen anzubieten.Auch die Recherche von freien Stellen ist dort möglich.Unter den Rubriken AIS (Arbeitgeber-Informations-Service), SIS (Stellen-Informations-Service) und ASIS (Ausbildungs-Stellen-Informations-Service) werden verschiedene Services angeboten, mit denen - nach Regionen geordnet - recherchiert werden kann.Beim Arbeitsamt Online existieren zum Beispiel über eine Million Bewerberprofile im AIS.

Täglich rufen circa 80 000 User diese Angebote auf, die rund 80 Prozent der den Ämtern bekannten freien Stellen umfassen, berichtet Oliver Kurz, EDV-Sachbearbeiter beim hiesigen Landesarbeitsamt.Der SIS umfaßt derzeit über 300 000 offene Stellen aus Deutschland und dem europäischen Ausland.Auch der erst drei Monate alte ASIS verfügt bereits über 175 000 freie Stellenangebote.Der Vorteil dieser Service-Angebote liegt unter anderem in der Tagesaktualität.Dieser Bonus ist einer der Gründe für den Boom von WWW-Jobbörsen.Dieser Trend wird auch von den großen Suchmaschinen wie "Yahoo" ( www.yahoo.de ) aufgegriffen, die mittlerweile in eigens eingerichteten Sparten Dutzende von Jobvermittlungen zu allen möglichen Berufen auflisten und Suchenden Onlinehilfen anbieten.

Besonders auf dem kommerziellen Internet-Stellenmarkt entsteht durch zunehmende Professionalisierung eine ansteigende Präsenz bestimmter Fachgebiete.Der zweitgrößte Anbieter auf diesem Sektor, www.dv-job.de , ist beispielsweise auf die IT-Branche spezialisiert und verzeichnet rund 100 000 Seitenbesuche pro Monat.Der Anbieter setzt auf die Einfachheit des Internets, verbunden mit viel Service, sagt Geschäftsführer Jürgen Grenz.Die neuen Arbeitsstellenanbieter würden auch in der Konkurrenz zu den meist teureren Zeitungsannoncen immer mehr nach der Leistung und vor allem dem Erfolg gemessen, so Grenz.

Dabei versuchen auch Zeitungen, ihre Stellenanzeigen nicht nur auf den Printbereich zu beschränken.So geht der kostenlose Service der "Zeit" ( www.jobs.zeit.de ) einen Schritt weiter.Ähnlich wie ein Suchmaschinen-Roboter, der Internet-Seiten weltweit nach Inhalten durchsucht, ist hier ein Job-Roboter im Einsatz, dessen täglich aktuelle Auswertung von Jobanzeigen im Internet 720 Stellenmärkte und Homepages umfaßt und die Datenbanken mit über 35000 Anzeigen füttert.

Dennoch ist das Medium Internet auch bei steigenden Nutzungszahlen von Stelleninteressierten und -anbietern kein Allheilmittel gegen Arbeitslosigkeit, wie die Eingangsveranstaltung des neugegründeten "Internet-Salons" am Dienstag zeigte, der zusammen von der Internet-Akademie ( www.akademie.de ) und der Zentral- und Landesbibliothek Berlin ins Leben gerufen wurde.

Neben Vorträgen über behördliche und kommerzielle Online-Arbeitsvermittlungen bot die anschließende Diskussion Publikum und referierenden Experten die Möglichkeit, Erfahrungen zu Online-Vermittlungen und -Bewerbungen auszutauschen.Gerade bei dem Thema Bewerbungen zeigte sich, daß auch Firmen aus dem IT-Umfeld weiterhin auf die bewährte Auswahlmethode per Post setzen.Noch würden die Chancen, die das flexible und günstige Internet bei Arbeitssuche und Bewerbung böte, zu wenig genutzt.Obwohl es mittlerweile zum guten Ton gehört, seine Visitenkarten in Form einer Homepage im Netz zu haben, sind viele Unternehmen derzeit noch nicht gewillt, elektronische Bewerbungen zu akzeptieren, hieß es im Internet-Salon.

Dabei sind die Vorteile eines Online-Stellenangebotes klar: ständige Erreichbarkeit und preiswerte Plazierung von Gesuchen.Beides kann die Jobbörse im Internet zu mehr als nur einer Ergänzung von Zeitungsinseraten werden lassen.

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