Zeitung Heute : Auf Langlaufskiern durch die Natur. Nehmen Sie sich Proviant mit!

Hans-Georg Wodrig

Nirgendwo sieht man zur Zeit so anschaulich das Vergehen und Werden der Natur wie im Nationalpark Bayerischer Wald. In dem bis 1370 Meter ansteigenden Lusengebiet hat der Borkenkäfer eine ganze Waldregion geschädigt. Und das, obwohl Forstfachleute lange glaubten, dass er in diesen Höhen nicht aktiv würde. Tröstlich allerdings stimmt, dass sich unter dem Totholz wieder neues Waldleben rührt.

Ungeachtet dieser - wenn auch nur begrenzten kleinen Naturkatastrophe - ist der Bayerische Wald weiter ganz auf Erholung eingestellt. Besonders im Winter, wo der Schnee vieles zudeckt und Langläufer und Spaziergänger in den urwaldähnlichen Grenzwäldern des Nationalparks viel Auslauf haben. Für interessante Begegnungen mit der Natur bietet die Nationalparkverwaltung geführte Wanderungen und Touren zu Wildfütterungen und Tierbeobachtungen an. Dazu kommen tägliche Führungen durch das Tier-Freigelände, bei denen man Wisente, Luchse, Wölfe, Bären, Rotwild und die Otter gut beobachten kann - auch im Winter.

Feriengäste finden überall am Nationalpark gute Unterkünfte, von denen sie bequem in die Loipen und Spazierwege um die beiden beherrschenden Berge Rachel und Lusen einsteigen können. Ein idealer Standort ist Neuschönau, ein bisschen verschlafen, aber mit guten Gasthöfen und vielen Ferienwohnungen. Etwas höher hat das Dörfchen Altschönau direkten Anschluss an die Nationalparkloipen, während Abfahrtsläufer im 1000 Meter hoch liegenden Waldhäuser zwei Lifts und einige Pisten haben. Hier oben pustet schon mal der Böhmische Wind durch die Wälder und hier beginnt eine zweistündige Winterwanderung zum Lusengipfel, dessen Fernsicht bis nach Böhmen und zur Alpenkette reicht. Aber: Nehmen Sie sich etwas Proviant mit, denn das Lusenschutzhaus ist nicht immer geöffnet.

Guten Schnee zum Langlaufen gibt es im nahen Böhmerwald und im idyllischen Reschbachtal, etwa bei Mauth mit der sportlich beliebten Dreikönigsloipe und in Fins-terau, zwei ruhigen Bergdörfern mit familiären Unterkünften. Wer hier wandert, sollte einen Personalausweis mitnehmen; man kann sich leicht auf tschechisches Gebiet verlaufen oder - ganz legal - beim Grenzübergang Buchwald in den tschechischen Nationalpark "einsteigen". Finsterau ist auch sonst einen Besuch wert: Im Freilichtmuseum stehen viele alte, vor der Spitzhacke gerettete Waldlerhäuser.

Ebenfalls loipennah wohnt man im einstigen Klosterdorf St. Oswald und in Reichersberg. Etwas weiter sind die tief verschneiten Rachelwälder eindrucksvolle Kulisse für Spiegelau, in dessen Glashütte man den Glasmachern zuschauen und wo man preiswert gläserne "Schnäppchen" kaufen kann. Ringsum ist Wanderland für Leute mit und ohne Skier. Wer nicht allein gehen will, dem macht das Verkehrsamt bei geführten Touren "Beine". Langläufer schätzen die ausgedehnten Reviere um Oberkreuzberg und Klingenbrunn und im schneereichen Klingenbrunner Wald, dessen Loipen bis nach Frauenau reichen. Mancher wagt sich hier auf eine winterliche Bergwanderung zum 1453 Meter hohen Rachel. Allerdings sollte man sich vor der Tour im Verkehrsamt nach der Begehbarkeit der Wege erkundigen.

Hauptort am Lusen und Nationalpark ist das Städtchen Grafenau, einst die letzte Raststation der Säumer, bevor sie mit ihren schweren Salzwagen ins Gebirge zogen. Rund um den Stadtpark hat sich Grafenau mit einem Kurpark und Teichen ein modernes Outfit gegeben. Auf dem Eis haben Eisläufer und Eisschützen viel Platz; bei mildem Wetter teilen sie sich eine kleine Eishalle. Spaziergänger streifen durch das Ohetal zu einem versteckten Brotzeitgasthof.

Die Erweiterung hat dem Nationalpark Bayerischer Wald um den Rachel und Falkenstein ausgedehnte heile Wälder gebracht, größtenteils aus dem Besitz der Glasmacher-Freiherrn von Poschinger.

So kommen Langläufer von Frauenau, mit drei Glashütten, Studios von Glaskünstlern und einem sehenswerten Glasmuseum ein echter Glasmacherort, auf zahlreichen Loipen in das "Schneeloch" der Flanitz und in die Schachtenregionen.

Vom lebhaften Glasstädtchen Zwiesel führt unter anderem eine zwanzig Kilometer lange Loipe zum Rabenstein und zum Hennenkogel. Insgesamt gibt es hier 70 Kilometer Loipen aller Schwierigkeitsgrade. Wer im Windschatten des Arber Quartier nimmt, etwa in den Dörfchen Rabenstein, Ludwigsthal, Regenhütte oder Zwieselerwaldhaus kommt unter den nahen Falkensteingipfeln zu langen Loipen, die durch schöne Wälder führen. Zur deftigen Brotzeit wandern die Fußgänger durch alte Fichtenbestände zum Schwellhäusl, wo einst die Waldarbeiter Unterkunft und Jause fanden. Anreise: Auf der Autobahn über Nürnberg und Regensburg; Abfahrten Deggendorf (für Zwiesel, Frauenau) oder Hengersberg (für Grafenau). Mit der Bahn bis Plattling und weiter nach Zwiesel, Bayern. Eisenstein oder Grafenau oder bis Passau und dort weiter mit dem Bus.

Preise: Übernachtung und Frühstück ab 28 Mark, Halbpension ab 43 Mark, Ferienwohnungen für zwei Personen ab 50 Mark.

Auskünfte: Bei den Verkehrsämtern der genannten Orte, bei der Verkehrsgemeinschaft Grafenau, Buchdruckergasse 2, 94481 Grafenau; Telefon: 085 52 / 25 21 und beim Info-Zentrum Zwieseler Winkel, 94227 Zwiesel; Telefon: 099 22 / 43 47.

Tagesspiegel - Debatten


Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben