Zeitung Heute : Auf Leben und Tod

Die Route von Amman nach Bagdad ist hochgefährlich. Hier verschwanden auch die Deutschen

Martin Gehlen

Tausend Kilometer zieht sich die schnurgerade Autobahn von Amman nach Bagdad. Wer nicht einen der wenigen, teuren Flüge in die irakische Hauptstadt nehmen will, der ist auf den zwölf-stündigen Landweg angewiesen. Darum ist für die meisten Irak-Reisenden diese sechsspurige Fernstraße durch die flache Wüste das Nadelöhr nach Bagdad. Die auf diese Route spezialisierten Taxiunternehmer in der Altstadt von Amman benutzen vorwiegend PS-starke, geländegängige Fahrzeuge. Gefährlich ist vor allem das letzte Stück, wo beinahe alle Überfälle passieren. Aus diesem Grund sammeln sich an der Raststätte von Ramadi, hundert Kilometer vor Bagdad, die Fahrzeuge, um von dort an der umkämpften Stadt Falludscha vorbei im Konvoi zu fahren.

Ab hier geht die Fahrt dann mit noch höherem Tempo weiter über die komfortable Asphaltpiste – und zwar Stoßstange an Stoßstange. Hinter den Brücken lauern die irakischen Überfallkommandos. Oft versuchen die Bewaffneten, mit ihren Autos den letzten Wagen eines Konvois abzudrängen. Vor einigen Wochen wurden auf diesem Streckenabschnitt zwei Franzosen erschossen, als sie eine Reifenpanne hatten.

Der deutsche Konvoi aus zwei gepanzerten Fahrzeugen und vier Geländewagen wurde am Mittwoch genau in diesem Bereich auf dem Weg von Amman nach Bagdad überfallen. Dabei ist es zu einem Feuergefecht zwischen GSG-9-Beamten und aufständischen Irakern gekommen. Seitdem gelten die beiden Personenschützer, deren Fotos und Namen die irakische Zeitung „Al Raqeeb“ veröffentlichte, mit ihrem Fahrzeug als vermisst. Die fünf anderen Wagen des Konvois trafen später wohlbehalten auf dem deutschen Botschaftsgelände ein.

Ein ähnlicher Vorfall, der jedoch für alle Beteiligten glimpflich ausging, hatte sich bereits im vergangenen Sommer ereignet. Auch damals gab es einen Schusswechsel zwischen dem GSG-9-Begleitschutz und irakischen Angreifern. Der aus vier Autos bestehende deutschen Konvoi wurde von einem Nissan Patrol überholt, der sich an seine Spitze setzte. Plötzlich schaltete der Nissan die Warnblinkleuchten an, der Wagen bremste scharf; und die Insassen eröffneten das Feuer. Zwei der deutschen Wagen wendeten sofort, während die GSG-9-Leute das Feuer erwiderten. Die beiden anderen Fahrzeuge rasten an den Angreifern vorbei. Nach einer kurzen Atempause entschlossen sich auch die beiden ersten Wagen, erneut zu wenden und nach Bagdad weiterzufahren. Als sie die Angriffsstelle passierten, kam es erneut zu einem Schusswechsel zwischen den Nissan-Insassen und der GSG 9. Am Ende jedoch – anders als am vergangenen Mittwoch – erreichten alle vier Wagen wohlbehalten die deutsche Botschaft in Bagdad.

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