Zeitung Heute : „Auf meinen MP3-Player lade ich gerne Schlager“

Ich weiß nicht mehr, ob ich ihn jemals getroffen habe, aber ich erinnere mich genau, dass er einmal für denselben Forschungspreis nominiert war wie ich – und er hat ihn dann bekommen.

Jetzt sind Sie beide Nobelpreisträger. Dank Ihrer Entdeckung – dem Riesenmagnetwiderstand – lassen sich winzige Festplatten mit Speicherplatz für enorme Datenmengen bauen. Wie weit lässt sich diese Technologie noch ausreizen?

Das hängt kaum noch von den Riesenmagnetwiderständen und ihren Sensoren ab – die sind klein genug. Aber die Dichte der Information auf den Platten kann man derzeit nicht weiter erhöhen, weil die Daten dann instabil werden. Um das zu ändern, braucht man neue Materialien. An solchen Beschichtungen wird gearbeitet, aber irgendwann gibt es auch hier Grenzen.

Nachdem Ihre Entdeckung patentiert war, wurden die Geräte von US-Firmen hergestellt. Haben Sie versucht, deutsche Hersteller dafür zu begeistern?

Wir Forscher gehen eigentlich nicht auf Firmen zu, wir teilen unsere Ergebnisse auf Konferenzen mit. IBM ist damals gleich auf uns zugekommen. Schon ein Jahr nach der ersten Konferenz, bei der ich auch meinen Kollegen Albert Fert kennengelernt habe, veranstaltete IBM einen Workshop in Nizza. So ist die Zusammenarbeit entstanden. Von deutschen Firmen kam kein vergleichbares Engagement. Etliche deutsche Projekte wurden sogar aufgegeben, etwa die magneto-optische Platte von Siemens.

Heißt das, andere Länder haben uns in der Nanoelektronik längst abgehängt?

Nein. Später sind auch deutsche Firmen auf diese Technologie aufmerksam geworden. Heute habe ich gute Kontakte zu Sensitec-Naomi in Mainz. Hier hat man großes Interesse an Riesenmagnetwiderständen und Magnetfeldsensoren für verschiedene Anwendungen.

Deutschland kann also noch aufholen.

Ja, vor allem mit guter Qualität. Wenn hierzulande Dinge entwickelt werden, funktionieren sie auch wirklich. Wir sind vielleicht ein bisschen konservativ, aber zuverlässig.

Hätten Sie die Forschung, die sie zum Nobelpreis geführt hat, in dieser Form auch an einer Universität machen können?

Da habe ich große Zweifel. Das ist nicht nur schwierig wegen der Zeit, die man für die Lehre aufbringen muss, sondern vor allem, weil man ständig abgelenkt wird und keinen Gedanken zu Ende führen kann.

Seit 2004 sind Sie offiziell im Ruhestand. Die Helmholtz-Gemeinschaft, zu der auch das Forschungszentrum Jülich zählt, will jetzt Seniorprofessuren für Wissenschaftler ab 65 Jahren einrichten, um die Abwanderung ins Ausland zu verhindern. Hat man Ihnen so etwas angeboten?

Nein, bisher nicht, aber ich habe eine ganz offizielle Gaststelle und konnte mein Büro behalten. Ich habe auch vor, wieder stärker selbst zu experimentieren. Aber seit Dienstag zweifle ich daran, dass ich das bei dem ganzen Rummel noch schaffen werde.

Sie haben selbst einen sehr kleinen MP3-Player mit viel Speicherplatz für Musik. Was laden Sie denn da drauf?

Ich höre gerne Schlager, zum Beispiel den neuen Song „If You Were A Sailboat“ von Katie Melua. Wenn ich im Auto einen schönen Schlager höre, bestelle ich ihn mir im Internet bei Musicload.

Peter Grünberg, 68, vom Forschungszentrum Jülich teilt sich den Physik-Nobelpreis 2007 mit dem Franzosen Albert Fert von der Universität Paris. Dagny Lüdemann sprach mit Peter Grünberg.

Tagesspiegel - Debatten


Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar