Zeitung Heute : Auf Verbrecherjagd am Computer

BERLIN (kf).In Bayern surfen die sogenannten Cyper-Cops bereits seit drei Jahren im Internet, nun will auch die Berliner Polizei verstärkt am Computer Jagd auf Straftäter machen.Die Innenverwaltung plant, Anfang des nächsten Jahres eine 16köpfige "EDV-Prüfgruppe" und eine dreiköpfige "Internet"-Gruppe einzurichten.

Um eine Reaktion auf den aktuellen Kinderpornographie-Skandal in den Niederlanden handele es sich bei diesen Plänen aber nicht: "Das Internet soll verstärkt als Ermittlungshilfe genutzt werden", sagt die Sprecherin Isabelle Kalbitzer.Das gelte nicht nur für Pornographie, sondern auch für andere Delikte wie beispielsweise Erpressung, für Wirtschaftkriminalität sowie Links- und Rechtsextremismus im Internet.Zur Bekämpfung von Kinderpornographie wurde in Berlin bereits vor einem Jahr ein Spezialreferat mit Internet-Experten eingerichtet.Die Finanzierung der neuen EDV-Gruppe ist derzeit allerdings noch nicht geklärt.Lediglich die Stellen wurden vom Senat bewilligt.

Hinweise könnten die Berliner Polizeibeamten von ihren Kollegen in München erhalten.Denn das bayerische Landeskriminalamt hat in Sachen Internet eine Vorreiterrolle inne: Die Beamten waren im Februar 1995 die ersten, die ohne konkreten Verdacht Datennetze nach Verbrechen durchsuchen durften.35 000 Diskussionsgruppen, sogenannte News Groups, und mehr als 200 Millionen Internetseiten gibt es weltweit - die zehn bayerischen Fahnder setzten ihren Schwerpunkt auf Pornographie."Praktisch nehmen die Kollegen wie jeder andere am Computer Platz und surfen zunächst aufs Blaue durchs Internet", sagt Heinz Fiehl vom LKA München.Offenbar mit Erfolg: Im vergangenen Jahr sei es zu rund 600 Anzeigen gekommen - 93 Anzeigen gingen davon ins Ausland, der größte Teil wurde an die zuständigen Landeskriminalämter in der Bundesrepublik weitergeleitet.In den meisten Fällen endeten die Verfahren mit Geldbußen oder Haftstrafen auf Bewährung.

Auch in Berlin fahndet die Polizei bereits im Internet nach Straftätern, bislang gibt es dafür allerdings keine speziell eingerichtete Gruppe."Außerdem wird derzeit im Netz nur verdachtsabhängig recherchiert", sagt Isabelle Kalbitzer.Ob diese Praxis ab 1999 ausgeweitet wird, hänge im wesentlichen von den Erfahrungen der Bayern ab.Der Austausch dürfte auch die Finanzierung des Projekts betreffen: Die Grundausstattung der bayerischen "Polizeistreife im Internet" hat nach Fiehls Angaben etwa 30 000 Mark gekostet, der jährliche Etat für technische Neuerungen belaufe sich auf rund 23 000 Mark.

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