Zeitung Heute : Auf Wiederhören - Wieprecht und Skuppins vorerst letzte Sendung

Jochen Meissner

Heute moderieren Volker Wieprecht und Robert Skuppin vorerst zum letzten Mal ab sechs Uhr die Show "Der schöne Morgen", das Morgenmagazin der ORB-Welle Radio Eins. Ab Montag ist das Team erst einmal in Urlaub, um ab Juli nur noch im dreiwöchigen Rhythmus auf Sendung zu gehen. Das Moderatoren-Duo, nebenher Betreiber der Medienagentur Apparat GmbH, hat den "Schönen Morgen" erst vor einem halben Jahr übernommen, als das eher journalistisch ausgerichtete Frühprogramm reformiert wurde. Ziel war es, den nicht gerade reichweitenstarken Sender auf Vordermann zu bringen, denn bis zu 70 Prozent der Tagesreichweite im Radio wird mit dem Frühprogramm erzielt. Allerdings ist Radio Eins mangels Hörern bislang nicht in der Mediaanalyse aufgetaucht. Das ist für ein teilweise werbefinanziertes Programm wie Radio Eins besonders schmerzlich, bemessen sich doch die Werbepreise nach den Mediadaten. Die aufwändige eigene Werbekampagne ("Hören sie orange!") hat sich zwar refinanziert und steigerte den Bekanntheitsgrad der Marke Radio Eins. Das Werbeaufkommen konnte dennoch nicht signifikant erhöht werden.

Aber das ist nicht das einzige Problem von Radio Eins. Nachdem der ORB aus finanziellen Gründen beim recht erfolgreichen Inforadio die Kooperation mit dem SFB aufgekündigt hat, ist der Berliner Sender aus der Kooperation mit dem in Potsdam ansässigen Sender ausgestiegen. Radio Eins als "mehrheitsfähiges öffentlich-rechtliches Angebot und als klare Alternative zu den privaten Hörfunk-Station in der Region Berlin/Brandenburg" zu positionieren, wie es die Mitarbeiter in einem offenen Brief an die Intendanten der beiden Mutterhäuser formulierten, wird damit nicht einfacher.

In dieser Situation muss Radio Eins auf seine profiliertesten Radiodiven verzichten. Von ihnen lebte der "Schöne Morgen" als der Versuch, die private Konkurrenz auf ihrem eigenen Feld zu schlagen. Im Stil der Muppet-Opas spielten sie sich die Bälle zu und interpretierten die Welt auf ihre Weise. Grundlegend dafür war die Erfahrung mit der "Schönen Sendung" am Sonnabend, deren unterhaltsame Bestandteile, vom Universalexperten Dr. Dr. Hermann Josef Berk bis zum fröhlichen Geräuscheraten in den "Schönen Morgen" eingeflossen sind. Hinzu gekommen sind unter anderem die "Intimen Töne", eine Präsentation von Perlen des schlechten Geschmacks aus fünfzig Jahren deutschen Schlagers. Ergänzt wird das Format durch wöchentliche Gespräche mit den Publizisten Henryk M. Broder und Friedrich Küppersbusch.

Ab Montag werden Stephanie Lehmann aus Stuttgart und Martin Palgen (ORB) den "Schönen Morgen" moderieren. Als zweites Team sind Thomas Bug und Jörg Tadeuz vom WDR verpflichtet worden. Wieprecht und Skuppin wird es erst wieder im Juli zu hören geben.

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