Zeitung Heute : Aufbruch zu neuen Ufern

Die Szene ist internationaler geworden.

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Der „Tanz im August“ ist eng mit der Entwicklung des Tanzes in der Stadt verknüpft. Es ist gewiss nicht gewagt, zu behaupten: Ohne dieses Festival wäre Berlin nie zu einer Tanzmetropole avanciert, die Künstler aus aller Welt anzieht. Das 25-jährige Jubiläum nimmt das Festival nun zum Anlass, einen Blick auf die eigenen Anfänge zu werfen.

Erst im Rückblick wird deutlich, was für eine Pionierarbeit Nele Hertling, die Gründungsmutter von „Tanz im August“, geleistet hat. 1988, die Mauer stand noch, wurde Berlin zur Kulturhauptstadt Europas ausgerufen. Hertling nutzte die Gunst der Stunde und veranstaltete ein sommerliches Tanzfestival, das wohl einzigartig war.

Die Compagnien aus unterschiedlichen Ländern waren nicht nur eingeladen, ihre Stücke zu zeigen, sie blieben für fast drei Wochen in der Stadt, um miteinander zu arbeiten und sich auszutauschen. Ein Etat von 1,6 Millionen D-Mark machte es möglich. Der Franzose Dominique Bagouet, der Katalane Cesc Gelabert und der Italiener Giorgio Barberio Corsetti gehörten zu den Künstlern der ersten Stunde. Und aus den USA war mit Merce Cunningham ein radikaler Erneuerer des Tanzes angereist.

Die Berliner lernten so neue Ästhetiken kennen, die in New York und Paris für Furore sorgten. Die TanzWerkstatt Berlin war aber vor allem als Entwicklungshilfe für die freie Szene gedacht, die damals noch in den Kinderschuhen steckte.

„Als Nele Hertling das Festival gegründet hat, gab es kaum internationalen Tanz in der Stadt“, erzählt die Dramaturgin Bettina Masuch, die die Jubiläumsausgabe von „Tanz im August“ kuratiert. „Die Situation, die wir jetzt haben, dass wir übers ganze Jahr sehr viele internationale Künstler sehen können, die zum Teil auch hier arbeiten – gab's damals nicht. Das war absolutes Neuland.“

Da es gelang, die Tanzwerkstatt als Struktur zu etablieren, war auch die weitere Finanzierung gewährleistet. Der „Tanz im August“ avancierte bald zum größten Tanzfestival Deutschlands. Neben dem Hebbel-Theater und dem Podewil konnten auch andere Spielorte einbezogen werden, für einige Jahre öffneten sich sogar die Opernhäuser für das Tanzfest. So konnten neue Publikumsschichten gewonnen werden.

Kontinuität und Wandel bestimmten das Programm: Gruppen wie das Nederlands Dans Theater oder die Rosas waren regelmäßig in Berlin zu Gast. Daneben sollten mit den Arbeiten junger Choreografen auch radikale Ansätze präsentiert werden. Der „Tanz im August“ war immer ein Publikumserfolg. Doch in den letzten Jahren häufte sich die Kritik. Beliebig, kleinformatig und ästhetisch dürftig sei das Programm, hieß es. Und auch am Modell eines Fünferdirektoriums wurde Anstoß genommen.

Nach 25 Jahren steht der „Tanz im August“ nun vor einschneidenden Veränderungen. Die Tanzwerkstatt wurde im vergangenen Jahr abgewickelt; das Festival bleibt an das Hebbel am Ufer angebunden, wird aber von einer unabhängigen Kuratorin geleitet. 2014 und 2015 wird die Finnin Virve Sutinen die Leitung übernehmen. Das zeigt, wie sehr die Internationalisierung der Berliner Tanzszene vorangeschritten ist. Sandra Luzina

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