Zeitung Heute : Auktionen: "Die Preise sind gefallen"

21.07.2001 00:00 UhrVon Die Krise der Bankgesellschaft ist zu einem guten

Die Krise der Bankgesellschaft ist zu einem guten Teil auf den dramatischen Rückgang der Immobilien-Werte zurückzuführen. Bekamen Sie diese Entwicklung auch bei Ihren Grundstücks-Versteigerungen zu spüren?

Bedingt ja. Die Käufer, aber auch die Verkäufer sind durch die große Krise sehr verunsichert. Hauskunden der Berliner Bank erzählten uns, dass zur Zeit kaum Immobilienkredite vom Institut zu erhalten seien. Dieser Teil der Kundschaft blieb unseren Auktionen fern. Unser Ergebnis hat darunter nicht gelitten. Leid taten mir diese Kunden allerdings schon, weil sie gute Angebote anderen Käufern mit funktionierenden Banken im Rücken überlassen mussten.

Wo war die Nachfrage am Größten?

Bei Wasser- und Freizeitgrundstücke im Umland. Eine Eigen-Hochwildjagd von 100 Hektar in Fürstenberg an der Havel, eine Stunde vor Berlin, wechselte für 1,2 Millionen Mark den Eigentümer. Das Auktionslimit betrug nur 475 000 Mark. Doch dies war eine Ausnahme. In der Regel purzeln die Preise von Bauland für Einfamilienhäuser in Berlin und im Umland weiter. Zwar stellen Berlin und die Kommunen immer noch deutlich höhere Bodenrichtwerte fest, doch diese sind wirklichkeitsfremd und können mit den Realitäten des Marktes nicht in Einklang gebracht werden.

Wie stark gingen die Preise von Grundstücken für Einfamilienhäuser zurück?

Der Wert fiel in den letzten 12 Monaten um gut 30 Prozent. Man erhält im Berliner Umland wie Brieselang Bauland für Einfamilienhäuser ab 70 Mark pro Quadratmeter. Sehr gute Lagen werden nach wie vor teurer bezahlt, aber auch hier keineswegs auf Basis der Bodenrichtwerte. In Falkensee zahlten Käufer zwischen 300 und 400 Mark pro Quadratmeter in guten Zeiten, heute nur noch die Hälfte. Ausnahmen von der Regel bilden außergewöhnliche Lagen in Klein-Machnow, südlich von Zehlendorf oder in Babelsberg. Doch sanken die Preise nicht so stark wie in normalen Wohnlagen.

Wieviel zahlen Käufer für innerstädtische Baugrundstücke?

Hier ist die Schere zwischen Bodenrichtwerten und tatsächlich bezahlten Preisen nahezu unglaublich. Auf unseren Auktionen brachten Grundstücke mit Bodenrichtwerten von 600 bis 800 Mark pro Quadratmeter gerade mal 200 Mark. Auch Grundeigentümer begehrter Lagen mussten erheblich Federn lassen. In Prenzlauer Berg zum Beispiel liegen die Bodenrichtwerte bei 1000 bis 2000 Mark pro Quadratmeter. Doch diese Preise zahlt niemand. Grundstücke in Prenzlauer Berg, oft Baulücken in Häuserzeilen, versteigern wir für 500 bis 600 Mark. Die Käufer können nicht mehr bieten, weil der Leerstand von Wohnungen und Gewerberäumen unverändert hoch ist. Außerdem sind die staatliche Bausubventionen komplett weggefallen und dasselbe gilt für alle steuerliche Vergünstigungen. Anders ausgedrückt, kaum jemand baut zur Zeit, weil er die Immobilie später nur noch schwer vermarkten kann und ein Leerstand ein großes Loch in die Kasse reißt.

Wie ist die Entwicklung der Preise von Miethäusern innerhalb der Stadt?

Im Ostteil konnten sich die Preise auf niedrigem Niveau stabilisieren bei 550 bis 1000 Mark pro Quadratmeter Wohn- oder Gewerbefläche. Die Preise im Westteil verharrten auf etwas höherem Niveau.

Ist auch die Nachfrage nach Eigentumswohnungen schwach?

In schlechten bis normalen Lagen wie Spandau, Neukölln, Wedding und Lichtenberg finden sich kaum Käufer für Eigentumswohnungen, wenn überhaupt, dann für wenig Geld. Hier erhält man unvermietete Eigentumswohnungen für 950 Mark bis 1500 Mark pro Quadratmeter. In Wilmersdorf und Charlottenburg gingen die Preise von geforderten 4000 bis 5000 Mark pro Quadratmeter auf 3000 bis 4000 Mark zurück. Ausnahmen von der Regel gibt es in guten Wohnbezirken wie Grunewald, Dahlem und Zehlendorf. Hier erzielten Verkäufer die Preise aus der Vergangenheit, mit kleinen Abschlägen, auch heute noch. Sie betragen 5000 bis 8000 Mark pro Quadratmeter.

Sie haben auch Ferien-Immobilien in den Neuen Ländern versteigert. Mit Erfolg?

Ja, vor allem an der Ostsee verzeichneten wir teilweise stark steigende Preise. Ähnlich ist die Entwicklung in schönen ländlichen Gebieten von Mecklenburg-Vorpommern und Thüringen. Auf unseren Auktionen in Rostock haben wir alle Objekte versteigert und einige haben das Vielfache des Auktionslimits eingebracht. Ein kleines verfallenes Ferien-Häuschen auf Rügen riefen wir zum Mindestgebot von 9000 Mark auf, der Käufer erhielt den Zuschlag für 70 000 Mark. Für ein Jagdhäuschen, in der Rostocker Heide zwischen Ribnitz-Damgarten und Graal-Müritz gelegen, erlöste der Verkäufer 370 000 Mark. Das Mindestgebot betrug lediglich 150 000 Mark.

Ein Erlass des Bundesministerium für Finanzen soll die Versteigerungen von Bundesvermögen erleichtern. Was steckt dahinter?

Der Erlass liegt seit kurzem vor. Zuvor waren die Vermögensämter oft nicht in der Lage, die Grundstücke zu den gewünschten Preisen verkaufen, denn sie mussten sie immer zu den so genannten Verkehrswerten veräußern. Doch zu diesen Preisen fanden sie oft keine Käufer. Das Problem lag darin, dass diese Werte auf Grundlage von erzielten Verkaufspreisen aus der Vergangenheit ermittelt wurden. Damit spiegelten sie nicht die aktuelle Lage am Markt wieder, sondern die von Käufern ein oder mehrere Jahre zuvor bezahlten Preisen.

Das heißt, es kommen jetzt zahlreiche Immobilien zu günstigen Preisen auf den Markt?

Es ist damit zu rechnen, dass die Bundesvermögensämter ihre großen Immobilienbestand jetzt leichter abbauen können.

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