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Rente: Die Menschen sollen länger arbeiten – weil sie länger leben

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Was Rürup will: Das gesetzliche Renteneintrittsalter soll ab 2011 über 24 Jahre schrittweise von 65 auf 67 Jahre angehoben werden. Wer Jahrgang 1969 oder jünger ist, muss zwei Jahre länger arbeiten, bis er die Altersgrenze erreicht hat. Wer bis zu drei Jahre früher in Rente geht, erhält Abschläge wie bisher, wer länger arbeitet, Zuschläge auf die gesetzliche Rente.

Außerdem soll in die Rentenformel ein so genannter Nachhaltigkeitsfaktor eingebaut werden, der die künftigen Renten langsamer steigen lässt. Je mehr Rentner und je weniger Beitragszahler es gibt, desto geringer fallen die Rentenanpassungen aus. Der Beitragssatz soll damit bis 2030 nicht über 22 Prozent steigen.

Was Kritiker und Befürworter sagen: Viele Politiker aus SPD und Union fordern ebenso wie die Gewerkschaften, das tatsächliche Renteneintrittsalter erst einmal an das gesetzliche anzugleichen, bevor die Regelaltersgrenze weiter angehoben wird. Derzeit gehen die Menschen im Schnitt mit 60,4 Jahren in den Ruhestand. Rürup hält dem entgegen, dass eine solche Maßnahme den Beitragssatz nicht dauerhaft stabilisieren könne, weil schließlich auch derzeit bei früherem Renteneintritt Abschläge fällig seien.

Die Grünen begrüßen ebenso wie die Arbeitgeber eine Anhebung des Eintrittsalters grundsätzlich. Heftige Kritik üben Sozialverbände und Gewerkschaften am geplanten Nachhaltigkeitsfaktor. Sie befürchten, dass damit in Zukunft immer mehr alte Menschen nur noch Renten auf Sozialhilfeniveau erhalten. Die Experten im Sozialministerium von Ulla Schmidt arbeiten jedoch bereits an dem Faktor, der möglicherweise schon 2004 eingeführt werden soll.

Wie gerecht es ist: Die Lebenserwartung der Deutschen wird in den kommenden Jahrzehnten weiter steigen, Prognosen zufolge bis 2030 um mehr als drei Jahre. Bei unverändertem gesetzlichem Rentenalter würden die Leistungen ausgeweitet. Ein späterer Renteneintritt wäre also gerecht. Problem: Derzeit ist die Situation auf dem Arbeitsmarkt für ältere Arbeitnehmer extrem schwierig, bis 2035 könnte sich die Lage allerdings entschärft haben.

Wichtig ist, dass bei den Unternehmen ein Umdenken entsteht. Flexible Lösungen wären sinnvoll und gerecht: In manchen Berufen ist es schwierig, so lange zu arbeiten – wie bei den Bauarbeitern. Die fangen außerdem in der Regel schon in jüngeren Jahren mit der Maloche an. Mit dem Nachhaltigkeitsfaktor werden die finanziellen Lasten gleichmäßig auf die Generationen verteilt, besonders dann, wenn es zu deutlichen Veränderungen in der Alterspyramide kommt.

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