Zeitung Heute : Aus der Deckung

Worauf sich die Amerikaner im Irak einstellen müssen

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Die amerikanischen Streitkräfte sind nicht nur besser ausgebildet, sie sind noch dazu auf höchstem Niveau ausgerüstet. Diese bessere Ausgangsposition müsste es ermöglichen, den Gegner innerhalb kurzer Zeit zu besiegen. In der Wirklichkeit eines Krieges im Irak, könnte es aber ganz anders kommen: Wenn es den Irakern gelingen sollte, die Vorteile der Amerikaner bis zu einem gewissen Grad zu ignorieren. Ein Beispiel könnten sie sich am Verlauf des KosovoKrieges nehmen. Dass technische Überlegenheit nicht automatisch auf dem schnellsten Weg zum militärischen Sieg führt, hat sich dort gezeigt. Die serbischen Truppen haben die Bombenteppiche einfach über sich ergehen lassen – vor dem Beginn der Luftangriffe verfügten die Serben über rund 40000 Soldaten im Kosovo, am Ende waren es dann 46000. Das Massenmorden von Slobodan Milosevics Truppen ging nahezu unbeeinträchtigt während der Bombardements weiter. So könnten es auch die Iraker machen.

Am Ende wird aus amerikanischer Sicht alles von der Frage abhängen, ob es den Irakern gelingt, selbst das Schlachtfeld auszusuchen und ob die Moral der Truppe hält. Auch in diesem Fall wäre schwer vorstellbar, dass ein effektiver Widerstand über mehrere Monate aufrechtzuerhalten ist. Aber der Preis, den die Vereinigten Staaten zahlen müssten, wenn Saddams Elitesoldaten den Feind in eine zähe Schlacht um Bagdad hineinziehen könnten, wäre beträchtlich. Die amerikanischen Truppenführer stünden dann wiederholt vor der schwierigen Wahl, durch ihre Angriffsführung entweder beträchtliche Zivilopfer oder hohe eigene Verluste in Kauf nehmen zu müssen. psi

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