Zeitung Heute : Aus luftiger Höhe

Ananasgewächse fangen Regen und Gießwasser in ihren trichterförmigen Blättern auf

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In ihrer Heimat leben viele Bromelien als Aufsitzer auf Bäumen. Im Bild die Vriesea psittacina ,Christiana‘. Foto: Tassilo Wengel
In ihrer Heimat leben viele Bromelien als Aufsitzer auf Bäumen. Im Bild die Vriesea psittacina ,Christiana‘. Foto: Tassilo Wengel

Schlendert man im Winter durch die Gartencenter, fallen zwischen allerlei Orchideen, Alpenveilchen und Azaleen vor allem die Ananasgewächse (Bromeliaceen) auf. Sie lenken mit knalligem Gelb, leuchtendem Rot, Orange, Pink oder Blau die Blicke auf sich. Dabei sind es gar nicht die kleinen, meist unscheinbaren Blüten, die das Farbenspiel hervorrufen. Sie verstecken sich zwischen den Hochblättern der prachtvoll gefärbten Blütenstände, die je nach Art und Gattung mit interessanten Formen aufwarten.

Zur Familie der Ananasgewächse gehören zahlreiche Gattungen, die in den Tropen und Subtropen zu Hause sind. Ein Teil lebt in Regenwäldern als Aufsitzer (Epiphyten) auf Bäumen. In dieser luftigen Höhe erhalten die Pflanzen zwar ausreichend Licht. Wasser und Nährstoffe aus dem Boden erreichen sie aber nicht. Dafür sind sie in der Lage, mit ihren trichterförmig angeordneten Blättern das Regenwasser aufzufangen. Verrottete Pflanzenteile, herabfallende Blätter und die Ausscheidungen von Kleinlebewesen sorgen dafür, dass die Bromeliaceen die lebensnotwendigen Nährstoffe erhalten.

Bekanntester Vertreter der umfangreichen Bromeliaceen-Familie ist die Lanzenrosette (Aechmea fasciata). Ihre Blätter sind silbergrau gebändert und können bis zu 60 Zentimeter lang werden. Im Sommer erscheint ein langer Stängel mit einem Blütenstand aus rosafarbenen Blättchen, zwischen denen kleine blaue Blüten sitzen. Einer der schönsten Vertreter ist Aechmea chantinii mit weißen Querbändern auf den Blättern.

Besonders auffällig sind auch die Vrieseen, deren Blätter einfarbig grün, aber auch gefleckt, gebändert oder mit gitterartiger Zeichnung versehen sein können. Bekannteste Art ist die Pracht-Vriesea (Vriesea splendens) aus den Regenwäldern Venezuelas. Die Pflanze wird auch Flammendes Schwert genannt, da sie einen prachtvollen schwertförmigen Blütenstand aus roten Deckblättern und gelben Blüten bildet. Ein typischer Vertreter der Gattung ist auch Vriesea psittacina aus Brasilien. Sie ist kleiner und hat hellgrüne Blätter, die in einer dichten Rosette zusammenstehen. Der Blütenstand erhebt sich etwa 20 Zentimeter darüber. Während die Deckblätter rot und gelb sind, haben die Blüten eine gelbe Farbe mit grüner Sprenkelung. In Kultur findet man aber vor allem Hybriden, die mit besonders großen, leuchtend roten oder gelben Blütenständen auffallen.

Auch unter den Guzmanien findet man ein vielseitiges Angebot. Zu den klein bleibenden Arten gehört Guzmania minor. Die hellgrünen Blätter ihrer Rosette erreichen gerade einmal eine Länge von 20 und eine Breite von einem Zentimeter. Die zierliche Art bildet einen gestauchten Blütenstand mit roten oder gelben Hochblättern, der kurz über den Blättern steht. Häufig angeboten wird auch die prächtige Guzmania monostachya. Der kräftige Blütenstand erhebt sich bis zu 60 Zentimeter über die Pflanze. Die zweifarbigen Deckblätter verleihen ihm einen besonderen Reiz: Während die unteren gelbgrün und schwarzbraun gestreift sind, leuchten die oberen in kräftigem Rot, dazwischen lugen die weißen Blütenblätter hervor.

Kaum eine andere Gattung der Ananasgewächse ist durch solche Größenunterschiede geprägt wie die Tillandsien. Die Palette reicht von moosähnlich wachsenden Zwergen wie Tillandsia coarctata bis zu Riesen wie Tillandsia grandis, die mit den Blütenständen mehrere Meter Höhe erreichen kann. Viele Arten haben intensiv gefärbte Rosetten, andere herrliche Blütenstände. Als Topfpflanze werden allerdings nur wenige Arten angeboten, von denen Tillandsia cyanea eine der schönsten ist. Sie bildet eine dichte, vielblättrige Rosette aus schmalen, dunkelgrünen Blättern. An der Basis, wo sich der Blütenstand entwickelt, sind die Blätter oft dunkelrot gefärbt. Dadurch ist die Pflanze auch im nichtblühenden Zustand hübsch anzusehen.

Idealer Platz für Ananasgewächse ist ein heller Standort ohne direkte Sonneneinstrahlung, da diese zu Blattschäden führt. Veranden oder Wintergärten sind geeignet, wenn die Temperaturen dort im Winter nicht unter 15 Grad Celsius fallen. Günstiger sind ganzjährige Temperaturen zwischen 20 und 25 Grad Celsius; die nächtlichen Werte dürfen im Winter einige Grad darunter liegen.

Regelmäßiges Gießen mit kalkfreiem Wasser ist für die gesunde Entwicklung wichtig. Im Blatttrichter sollte immer Wasser sein. Günstig ist auch gelegentliches Übersprühen, da die trockene Zimmerluft dazu führt, dass die Blätter leicht von Krankheiten und Schädlingen befallen werden. Von Frühjahr bis Herbst verabreicht man alle zwei Wochen eine schwache Nährlösung, während der Wintermonate genügt eine Düngergabe alle vier bis sechs Wochen. Tassilo Wengel

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