Zeitung Heute : Aus Wissen Arbeit schaffen

Biometrie, Software, Internetservice – die New Economy lebt und ist mit neuen Geschäftsideen erfolgreich

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„Wir drucken Geld – nach wie vor“, sagt Ulrich Hamann, Chef der Bundesdruckerei. Doch längst hat sich die Produktpalette des 127-jährigen Berliner Unternehmens erweitert. Die Bundesdruckerei hat sich zu einem „Hightech-Anbieter für Identifikationslösungen“ gewandelt. Rund 80 Prozent des Umsatzes entfalle auf Ausweis-Dokumente, sagt Hamann. Seit November 2005 druckt das Unternehmen auch die neuen elektronischen Reisepässe. Die Bundesdruckerei, sagt Hamann, sei der größte Hersteller von E-Pässen weltweit. In ihnen steckt ein Chip, der biometrische Daten speichert.

Die seit November 2000 privatisierte Bundesdruckerei hat sich stark verändert und in neue forschungsintensive Wachstumsfelder investiert. Inzwischen stellt das Unternehmen mit derzeit weltweit rund 1600 Mitarbeitern wieder neue Leute ein. Auch 2006, sagt Hamann würden neue Ingenieure gebraucht. Daher gehört die Bundesdruckerei zu den Firmen, die Berlins Wirtschaftssenator Harald Wolf vorzeigt, wenn er sein Motto für Berlin demonstrieren will: „Aus Wissen Arbeit schaffen“. Bei der Bewältigung des Strukturwandels will sich Berlin auf wenige Kompetenzfelder konzentrieren, eines dieser Felder ist die Informations-, Kommunikations- und Medienbranche.

In dieser Branche gibt es in Berlin etwa 3500 Unternehmen, die rund 5,6 Milliarden Euro Umsatz machen. Die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten ist zwischen 2003 und 2004 um 8,3 Prozent auf 43 320 gestiegen. „Wir haben in diesen Feldern überdurchschnittliche Wachstumsraten“, sagt Wolf. Auch für 2005 sei nach den ersten Prognosen mit einem leichten Wachstum zu rechnen. Die Wirtschaftsförderung unterstützt die IT-Branche finanziell mit rund 40 Millionen Euro pro Jahr. „Wir fördern die Branche auch durch die Schaffung von unterstützenden Strukturen und Netzwerken“, sagt Wolf.

Hier sieht Hamann von der Bundesdruckerei noch „Möglichkeiten der Verbesserung“. Man suche noch nach Partnern für ein Netzwerk und sei dabei, einen Sicherheitslehrstuhl an der TU Berlin einzurichten.

Neue Sicherheitsspezialisten braucht auch Qiu-Ping Zeng. Der Chinese, der sein Studium an der TU Berlin abschloss, gründete seine Firma Idencom 1999 in der Schweiz, ist inzwischen aber fast komplett nach Berlin umgezogen. Die Sechs-Mann- Firma ist spezialisiert auf Fingerabdruckerkennung. Die Produkte sind bei den künftigen E-Pässen mit Fingerabdruck einsetzbar, als auch bei der Zugangskontrolle für Gebäude. Hier nutzt etwa die Firma Siedle bei ihren Türsprechanlagen die Technik von Idencom. Berlin, sagt Zeng, sei ein guter Standort für Biometrie. Und stolz sagt er auch: „Wir machen Profit.“

Schwarze Zahlen schreibe nun auch Datango, sagt Vorstand Jochen Wiechen. 1999 in Berlin gegründet, war die Geschäftsidee, Verbraucher mittels digitaler Begleiter durch das Internet zu führen. Weil Datango sich neu orientiert hat, hat die Firma das Platzen der New-Economy-Blase überlebt. Heute entwickelt und vertreibt Datango eine Software, mit der neue Computeranwendungen erlernt werden können. Mit der E- Learning-Lösung könnten Firmen teure Trainer sparen, sagt Wiechen. Inzwischen hat Datango 50 Mitarbeiter – zu Boomzeiten waren es mal 70, in den schlechtesten 15. Zu den Kunden gehören Schering und die Schweizer Bank UBS. Datango denkt wieder darüber nach, auch Produkte für private Konsumenten anzubieten.

Kunden der Init AG für digitale Kommunikation sind dagegen unter anderem Ministerien, die Bundesregierung und der Bundespräsident. 80 Prozent des Umsatzes von rund zehn Millionen Euro macht Init mit der öffentlichen Hand. Die Firma berät Institutionen bei ihren Internetauftritten, entwickelt und betreibt die Lösungen dafür. „Als die Firma 1995 begann, war es sehr unsexy, für Behörden zu arbeiten“, sagt Vorstand Harald Felling. Sexy aber ist der Erfolg: Init hat 100 Mitarbeiter und stellt ein. Mit dem Regierungswechsel 1998 sei das Thema in Fahrt gekommen, sagt Felling. Auch die neue Regierung sei sich bewusst, wie wichtig das Internet ist. Dass fünf Minuten nach ihrer Ernennung die Seite www.bundeskanzlerin.de online war, hat Angela Merkel Init zu verdanken. „Wir haben den Regierungswechsel im Netz in Echtzeit abgebildet“, sagt Felling. Den Berliner Senat hat Init noch nicht als Kunden gewinnen können. „Wir hoffen, dass sich das 2006 ändert“, sagt Felling.

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