Zeitung Heute : Ausgebuchst!

Mit der Technik des Wireless-LANs kann man im Internet surfen – ohne Kabel und Telefonstecker

Corinna Visser

Das Warten auf dem Flughafen, die Reise in der Bahn oder die Zeit bis zum nächsten Termin muss nicht mehr ungenutzt verstreichen. Wer einen Laptop hat, kann immer und überall arbeiten. Es gibt nur ein Problem: Wer E-Mails abfragen und versenden oder sich in das Firmennetzwerk einwählen will, ist auf die quälend langsame Verbindung über das Mobilfunknetz angewiesen. Oder man sucht im Hotelzimmer verzweifelt nach einer Telefonbuchse, wo man den Laptop anschließen kann. Aber nicht immer lassen die Telefonanlagen das zu. Doch es geht auch anders. Auf immer mehr Flughäfen, bald auch auf Bahnhöfen, in vielen Cafés und Hotels werden lokale Funknetze eingerichtet, die einen drahtlosen Zugang zum Internet ermöglichen – deutlich schneller und billiger als über die heutigen Mobilfunknetze.

In Berlin ist BerlinNet, eine hundertprozentige Tochterfirma der Telefongesellschaft BerliKomm, gerade dabei, neue Standorte für solche drahtlosen Netzwerke (W-LANs, siehe Kasten) einzurichten. „Wir wollen es dem Kunden so einfach wie möglich machen“, sagt BerlinNet-Projektleiter Bernhard Gutsche. Der Nutzer braucht eine Funkkarte für seinen Laptop und kauft sich dann vor Ort eine Guthabenkarte – ähnlich einer Telefonkarte –, mit der er den Dienst bezahlt. Funkkarten für den Laptop gibt es nach Angaben von BerlinNet schon ab 49 Euro im Handel. In neueren Geräten sind diese bereits serienmäßig eingebaut. „Das nährt die Hoffnung, dass wir in absehbarer Zeit sehr viele potenzielle Nutzer haben werden“, sagt Gutsche.

BerlinNet bietet Guthabenkarten ab 8,50 Euro an. Dafür kann man den Dienst überall dort, wo BerlinNet bereits Funknetze eingerichtet hat, drei Stunden lang flexibel nutzen. Dabei ist die Übertragungsrate 85 mal schneller als eine ISDN-Verbindung über das Festnetz. Eine Monatskarte kostet 139 Euro. Zum Vergleich: Die Telekom-Tochtergesellschaft T-Mobile verlangt für eine dreistündige Nutzung ihrer W-LANs 15,95 Euro.

Prinzipiell ist es denkbar, an einem Ort mehrere solcher Funknetze einzurichten. An vielen Flughäfen wird das der Fall sein. „In der Regel lohnt es sich an einem Standort aber nur für einen Anbieter, ein Netz einzurichten“, sagt Gutsche. Daher versuchen die verschiedenen Anbieter jetzt die lukrativen Standorte zu besetzen. Seit Juni 2002 betreibt BerlinNet ein W-LAN im Ludwig-Erhard-Haus. Seither sind eine Reihe von Hotels und Lokalen, zum Beispiel die Filmbühne am Steinplatz, hinzugekommen. „Für uns sind Standorte interessant, die die technik-begeisterte jüngere Generation anziehen“, sagt Gutsche. So kann man etwa in den Filialen der Coffee-Shop-Kette „Einstein“ drahtlos im Netz surfen.

„Viele Gäste haben danach gefragt“, sagt Hans Eilers, Direktor des Hotels Savoy in der Fasanenstraße, wo es bereits ein Netz von BerlinNet gibt. „Vor allem amerikanische und skandinavische Gäste erwarten dieses Angebot, dass ihnen die lästigen Schwierigkeiten mit den verschiedenen Anschlüssen erspart.“ Für das Savoy sei die drahtlose Anbindung zudem eine einfache Möglichkeit gewesen, Internetanschlüsse in jedem Zimmer anzubieten, ohne neue Kabel verlegen zu müssen.

In den vergangenen neun Monaten hat BerlinNet 100000 Euro in den Aufbau der Netze investiert. Das Investment ist überschaubar. Eine teure Lizenz, wie etwa für den neuen Mobilfunkstandard UMTS, ist für den Netzbetrieb nicht nötig. Der Ausbau soll weiter Schritt für Schritt erfolgen. „Wir investieren nur dort, wo wir uns auch ein gutes Geschäft versprechen“, sagt BerlinNet-Geschäftsführer Sebastian Krems. Dabei sei es von Standort zu Standort sehr verschieden, wann die Gewinnschwelle erreicht werden könne. Krems rechnet aber mit einem Zeitraum „von deutlich unter zwei Jahren“. Geplant sind auch Kooperationen mit anderen lokalen Anbietern von W-LAN, so dass Kunden künftig mit ihrer BerlinNet-Karte dann zum Beispiel auch an auswärtigen Flughäfen oder Bahnhöfen drahtlos surfen können.

„Flächendeckend wird es W-LAN voraussichtlich niemals geben“, sagt Krems. Dafür sei das System zu teuer. Eine Funkzelle reicht nur etwa 500 Meter und das auch nur dann, wenn kein Baum oder keine Wand dazwischen stehen. Eine Verbreitung wie sie heute Geldautomaten haben, sei eher wahrscheinlich. Daher werde W-LAN auch keine Konkurrenz, sondern vielmehr eine Ergänzung zur neuen Mobilfunktechnik UMTS sein. Die Ergänzung sei aber sinnvoll, weil W–LAN deutlich höhere Übertragungsraten biete, als UMTS es zu Beginn leisten könne. Die Mobilfunkbetreiber hat BerlinNet schon als mögliche Kooperationspartner im Auge.

Auch die Diskussion um mögliche Gesundheitsgefahren durch Funkstrahlen macht BerlinNet keine Sorgen. „Ein W-LAN strahlt deutlich weniger als der Fernseher“, sagt Gutsche. Daher sei es auch nicht verwunderlich, dass BerlinNet mit Krankenhäusern im Gespräch sei. Die Krankenhäuser wollen nicht nur ihren Patienten auf diese Weise Internetanschlüsse an jedem Krankenbett ermöglichen, sondern denken auch daran, mit mobilen elektronischen Krankenakten den Informationsfluss zu verbessern und Kosten zu sparen.

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