Zeitung Heute : AUSNAHMEZUSTAND IN TOULOUSE: Jetzt geht die Angst um

TOULOUSE .Etwa 1700 Polizisten und Gendarmen sind in Toulouse im Einsatz, dazu 25 Experten der britischen Polizei.Der Alkoholverkauf wurde eingeschränkt und die Sperrstunde der Gaststätten vorgezogen: Die "rosa Stadt" an der Garonne rüstet sich für den Anmarsch der rabiaten englischen Fußballfans am Wochenende.Nach den schweren Ausschreitungen in Marseille geht in der 365 000-Einwohner-Stadt die Angst vor den Hooligans um.

Stadtverwaltung und Polizei wollen bereits im Vorfeld des Spiels England gegen Rumänien am Montag abend neue Krawalle verhindern."Ich habe nicht die Absicht, Tausende von jungen Menschen dieser Gefahr auszusetzen", sagte Bürgermeister Dominique Baudis zum harten Vorgehen der Sicherheitskräfte."Und ich will nicht erleben, daß unsere Straßen in Schlachtfelder verwandelt werden."

Nachdem das Stadtoberhaupt die ursprünglich für Sonntag angesetzte "Fete de la Musique" auf den 11.Juli verschoben hat, wurden jetzt auch kleinere Veranstaltungen wie ein afrikanisches Musikfest auf dem zentralen Capitole-Platz und ein Sinfoniekonzert im Künstlerviertel abgesagt."Die Sicherheit hat erste Priorität", betont auch Alain Bidou, der Präfekt der Region Midi-Pyrenees.Nach einer Konferenz mit Vertretern von Verwaltung, Handelskammer und Geschäftswelt wurde beschlossen, daß von Donnerstag bis Montag alle Cafes, Bars und Restaurants eine Stunde vor Mitternacht ihre Pforten schließen müssen.Urspünglich war für die WM-Zeit die Sperrstunde auf 3 Uhr früh verlängert worden.

Zudem wurden die Übertragungen auf zwei Großbildwänden in der Stadt abgesagt, um Ausschreitungen wie am Prado-Strand von Marseille zu verhindern."Wir wollen den Randalierern keine Bühne für ihre Aktivitäten bieten", sagte Baudis und reagierte damit auf eine Empfehlung seines Amtskollegen aus Marseille, Jean-Claude Gaudin.Wo Alkohol ausgeschenkt wird, sollen Sicherheitskräfte die Fans kontrollieren und notfalls eingreifen.Das Polizeiaufgebot wurde von urspünglich 1300 um etwa 400 Mann verstärkt.Dabei handelt es sich um besonders mobile Einheiten.Die französischen Beamten werden unterstützt durch ein 25 Mann starkes Spezial-Kommando der englischen Polizei.

Bürgermeister Baudis ließ sich alle Vorsichtsmaßnahmen vom Innenministerium in Paris absegnen, um sich gegen mögliche Regreßforderungen von Veranstaltern und Gastronomen abzusichern.Denn viele Restaurantbesitzer reagierten mit Unverständnis: "Die Geschäftsleute haben alle von der WM geträumt.Wie kann man aus Toulouse eine tote Stadt machen, nur weil die Fans eines Landes grundlos alles zerstören", wetterte Jean Sacareau, der Präsident eines Verbandes von 180 Unternehmern aus der Innenstadt.Er rechnet mit heftigen Einbußen."Da ist nicht viel verdient", sagte Cafe-Besitzer Jean Garde an der Avenue Grande Bretagne."Andererseits ist das besser als ein demolierter Laden."

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