AUSSTELLUNG100 Jahre Rupprecht Geiger : Meditieren auf der Matte

Nicola Kuhn

Über zwanzig Jahre ist es her, dass der Maler Rupprecht Geiger mit seinem Sohn Florian in der Akademie der Künste die „Rote Trombe“ installierte: ein zeltartiges Objekt, das meterhoch über dem Boden schwebt. Nun kehrt die Stoffinstallation zurück nach Berlin. Die Neue Nationalgalerie widmet dem Farbfeldmaler, der bis heute tagtäglich sein Atelier aufsucht, aus Anlass seines 100. Geburtstages eine Retrospektive. Erneut, diesmal im Mies-van-der- Rohe-Bau, wird der Besucher animiert, die Schuhe auszuziehen, unter das rote Segel zu treten und sich auf eine Matte zur Farbmeditation zu legen.

Schon bei ihrer ersten Station im Münchner Lenbach-Haus, die „Rote Trombe“ war parallel im Haus der Kunst zu sehen, wurde die ungeheure Vitalität dieser Malerei spürbar. Längst nehmen junge Künstler auf diese lange vom Ausstellungsplan verschwundene Kunst wieder Bezug: Bei Anselm Reyle etwa kehren die fluoreszierenden Farben zurück. Ähnlich wie Geiger gibt sich auch Katharina Große dem reinen Farberlebnis hin. Ein anderer Geistesverwandter ist der britische Bildhauer Anish Kapoor, der mit reinen Pigmenten arbeitet und ab Herbst in der Deutschen Guggenheim ausgestellt wird. Welch magische Kraft das Rot besitzt, ist derzeit auch bei der Rohkunstbau-Ausstellung in der Villa Kellermann in Potsdam zu sehen. Geiger fasziniert diese Farbe schon sein ganzes Künstlerleben lang: Er lässt sie Kreise drehen, vibrieren, räumlich werden. Am Anfang stand ein Erlebnis im München der Nachkriegszeit: Der Heimkehrer sah eine junge Frau mit rotem Pullover in den Trümmern spazieren gehen. Das suggestive Bild ließ ihn nicht mehr los. Nicola Kuhn

Neue Nationalgalerie, Fr 18.7. bis So 5. 10., Di-Fr 10-18, Do 10-22, Sa/So 11-18 Uhr, 10 €, erm. 5 €

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