AUSSTELLUNGAnton Graff : Magische Blicke

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Wir sind süchtig nach Bildern, auch nach Bildern von uns selbst. Wenn man bedenkt, wie unendlich viel schwieriger es vor 200 Jahren war, ein gutes Bild von sich zu bekommen, dann wird man ermessen können, wie gefragt ein begnadeter Porträtmaler wie Anton Graff (1736–1813) zu jener Zeit war. Von dem aus Winterthur stammenden und in Dresden als kurfürstlich-sächsischer Hofmaler angestellten Künstler wird behauptet, er sei der beste Gesichtermaler seiner Zeit gewesen. Er hatte sie alle: Könige, Fürsten, Adelige, Minister, Gesandte, hohe Offiziere und reiche Kaufleute saßen ihm Modell, nicht zu vergessen eine beeindruckende Zahl an führenden Dichtern, Denkern und Philosophen der Aufklärung: Gotthold Ephraim Lessing, Moses Mendelssohn, Henriette Herz, Friedrich Nicolai, Dorothea Schlegel, Johann Gottfried Herder oder Friedrich Schiller. Sie alle ließen sich von ihm malen.

Bei Graff konnte man sicher sein, dass er einem die Würde nicht stahl, auch keine schmeichelnde Repräsentationsschinken pinselte oder einfach Strich für Strich nachzeichnete, was das Licht ihm vorspiegelte. Graff konnte mit Farben den Charakter einer Person auf die Leinwand bringen. In der Alten Nationalgalerie kann man sich noch bis Februar davon überzeugen, wie seine Bilder bis heute strahlen. Ein Porträt seiner Ehefrau Elisabeth Sophie Auguste (Foto), eine Tochter des Philosophen und Ästhetikers Johann Georg Sulzer, die Graff 1771 in Berlin kennenlernte, zeigt einen faszinierenden, liebenden Blick. Beim Porträt von Friedrich Schiller sind die Augen blau und tiefgründig. Oft sind es die Augen in Graffs Bildern, die einen nicht loslassen. Birgit Rieger

Alte Nationalgalerie, bis So 23.2., Di-So 10-18 Uhr, Do 10-20 Uhr, 8 €, erm. 4 €

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