AUSSTELLUNG„Double Sexus“ – Hans Bellmer und Louise Bourgeois : Prothesen und Wollknäuel

Annabelle Seubert

Irgendwie kaputt. Irgendwie schön. Geheimnisvoll ist sie, die Puppe, mit ihren vielen Prothesen, dem scheuen Blick. Geheimnisvoll auch die blaue Figur, deren Körper einem großen Wollknäuel ähnelt. Als trage sie die ganze Weltkugel mit sich herum. Hans Bellmer und Louise Bourgeois sind sich nie begegnet. Trotzdem passen ihre Kunstwerke zusammen. Beide arbeiteten zurückgezogen, mit sexuell aufgeladenen Formen. Beide kümmerten sich wenig um die Tabubrüche, die sie begingen. Ab Samstag stellt die Sammlung Scharf-Gerstenberg 70 Arbeiten der beiden Künstler aus. „Double Sexus“ präsentiert Skulpturen, Zeichnungen und Fotografien. Und zwei wiederkehrende Themen: Isolation und Befreiung.

Hans Bellmer kam 1923 nach Berlin, wo er von George Grosz zur Kunst überredet wurde. Bellmers erste Puppe entstand nach dem Besuch einer jungen Cousine. Ihre Reize hatten ihn ebenso gefesselt wie sein altes Spielzeug, das ihm in die Hände fiel. Surrealisten feierten seine leblosen, aufreizenden Wesen. Schließlich zeugten sie von der Schnittstelle zwischen Traum und Wirklichkeit – und von männlicher Fantasie (Foto links: Die Puppe, 1935-65).

Louise Bourgeois pflegte dagegen kaum Kontakt zu Surrealisten. Dabei wohnte sie über der Galerie von André Breton. 1938 verließ die Bildhauerin Paris, um zu ihrem Mann nach New York zu ziehen. Hier fertigte Louise Bourgeois Figuren aus Holz an, setzte weiches Material ein. Mit dem aufkommenden Feminismus fand ihr Oeuvre immer mehr Beachtung. Die erste Retrospektive, die das Museum of Modern Art in New York für eine Frau ausrichtete, galt ihr (Foto rechts: Nature Study, 1996).

Annabelle Seubert

Sammlung Scharf-Gerstenberg, Sa 24.4. bis So 15.8., Di-So 10-18 Uhr, 8 €, erm. 4 €

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