AUSSTELLUNGEmil Nolde „Die stille Welt der Dinge“ : Das Fräulein an der Vase

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In Berlin suchen derzeit etliche Ausstellungen nach Alternativen zur gewohnten, westlich-hegemonial geprägten Auffassung von Kunst. Als der Maler Emil Nolde (1867-1956) im Jahr 1913 zu einer einjährigen Reise in die Südsee aufbrach, mit Stationen in Russland, Korea, China, Japan, Java und Ägypten, waren die Zeiten noch andere. Der Nordosten Neuguineas war vom Deutschen Reich in Beschlag genommen worden. „Wenn, von den farbigen Eingeborenen aus gesehen, eine Kolonialgeschichte einmal geschrieben wird, dann dürfen wir weißen Europäer uns verschämt in Höhlen verkriechen“, schrieb der Maler.

Nolde hatte die globale, geografielose Natur der Kunst, die heute im postkolonialen Diskurs propagiert wird, schon damals verinnerlicht. Wenig bekannten ist seine rund 400 Werke umfassende Kunstsammlung, zu der neben „exotischen Figuren aus fremden Ländern und Kulturen“ auch deutsche Barockmadonnen, friesisches Steinzeug, gusseiserne Bügeleisen oder Kerzenständer zählen, die der Maler auf Reisen durch Europa und in Berlin gefunden hat. Nolde faszinierten diese volkstümlichen Objekte wegen ihrer Kraft und Ursprünglichkeit, ihrer „Lust und Liebe am Bilden“. Die geografische Herkunft war für ihn eher Nebensache. In seiner eigenen Kunst wurden die gesammelten Dinge ohnehin zu etwas Neuem. Eine Ausstellung zeigt, wie die Gegenstände seit 1911 Einzug in Noldes Gemälde hielten. Neben Maskenstillleben sind Studien aus dem Berliner Völkerkundemuseum zu sehen sowie einige der berühmten Blumen-Aquarelle, in denen Nolde Figuren neben Hyazinthen oder Alpenveilchen arrangiert hat. Birgit Rieger

Nolde Stiftung Seebüll – Dependance Berlin, bis So 20.10., Mo-So 10-19 Uhr, 8 €, erm. 3 €

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