AUSSTELLUNG„George Grosz. Korrekt und anarchisch“ : Mit spitzer Feder

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Schon in jungen Jahren war George Grosz (1893–1959) ein scharfer Hund. Das zeigen seine frühen Blätter, die nun in der Akademie der Künste zu sehen sind. Gerade einmal 13 Jahre alt, zeichnet er bereits mit spitzer Feder. Ein Ausnahmetalent, das war gleich klar. Im Berlin der zehner und zwanziger Jahre findet er endgültig sein Thema: die Menschen, die Straße, die Stadt mit all ihren Verwerfungen. Wohl kaum ein anderer Künstler hat unser Bild der Weimarer Republik geprägt wie er. Einen großen Teil seines Nachlasses hütet die Berliner Akademie der Künste, die von seinen Söhnen aus Amerika wichtige Konvolute erwarb, ebenso von der Familie des Schwagers, die Mitte der Achtziger im Kohlenkeller ihres Hauses am Savignyplatz auf eine Kiste gestoßen war, in der sich Zeichnungen, Skizzenbücher und Notizen aus der Zeit vor Grosz’ Emigration in die USA Anfang 1933 erhalten hatten.

Die Akademie breitet diesen Schatz in den Räumen am Pariser Platz aus. Gewählt wurde die Form eines Schaulagers. In hölzernen Modulen sind die einzelnen Themenkomplexe präsentiert: die frühen Zeichnungen des Jungtalents, die Postkartensammlung, die Fotografien, die Mappenwerke und die später erneut im Geist von Dada in den USA entstandenen Collagen, die wie eine Vorwegnahme der Pop-Art erscheinen. Ein eigener Saal ist den 23 Zeichnungen von Max Hermann-Neiße gewidmet, dessen Charakterkopf Grosz immer wieder porträtierte. Auf eine Bemerkung des Schriftstellers geht auch der Ausstellungstitel zurück. „Wir waren beide sowohl Lyriker als Zyniker“, schrieb er. „Korrekt und anarchisch!“ Nicola Kuhn

Akademie der Künste am

Pariser Platz, So 24. 1. bis Mo 5.4., Di-So 11-20 Uhr, 5 €, erm. 3 €

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