AUSSTELLUNGGünther Uecker : Farbregen

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Die Nägel sind weich geworden, biegen sich, winden sich, bilden ein dickes Polster auf dem Baumstumpf wie regennasses Moos. Wasser ist das Grundmotiv von „Der See in der Stille“, der zweiten Ausstellung von Günther Uecker (Foto, vor seinem Bild „Regen 09“) im Mies van der Rohe Haus in Weißensee. Auch nach über 50 Jahren in Düsseldorf spricht der gebürtige Mecklenburger wie ein Küstenbewohner. 1953 hat Uecker selbst in Weißensee studiert.

Vor knapp zehn Jahren machte er mit „Fragmente“ auf den damals maroden Zustand des Hauses aufmerksam. Er platzierte zerbrochene Werke neben Türrahmen aus DDR-Zeiten. Heute ist das Haus in der unauffälligen Eleganz Mies van der Rohes wiederhergestellt: die Türstürze großzügig bis zur Decke geöffnet, die Fensterrahmen in feiner Unregelmäßigkeit auf ein Minimum reduziert. Günther Uecker hat Stoffbahnen in die Räume gehängt. Sie fließen von der Decke bis zum Boden. Königsblaue Tropfen tanzen auf weißem Grund. Im Gartenzimmer strömt die Farbe wie ein Wasserfall die Leinwand herab. Kleine Aquarelle weiten den Horizont. Wie ein winterlicher Sonnenstrahl lockern sie die wolkenverhangene Atmosphäre auf.

Tücher sind in Ueckers Werk die versöhnlichen Gegenspieler der dickköpfigen Nägel. Die Retrospektive im Martin-Gropius-Bau vor vier Jahren endete mit den Friedensgeboten der Religionen, die Uecker auf Leinwand geschrieben hatte. Mies van der Rohes Architektur erfordert jedoch größere Zurückhaltung. Uecker nimmt die zentrierte Stimmung des Hauses auf. Der See liegt draußen vorm Fenster. Aber die Kunst spiegelt seine Stille im Innern. Simone Reber

Mies van der Rohe Haus, bis So 21.3.,

Di-So 11-17 Uhr, Eintritt frei

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