AUSSTELLUNGImran Qureshi : Blumen wie Blut

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Der Aufruf der Deutsche Bank KunstHalle, malende Amateure mögen ihre „Meisterwerke“ für eine 24-Stunden-Ausstellung vorbeibringen, führte zu einer kilometerlangen Künstler-Schlange und zur Frage, ob man Berlins prekär lebende Künstlerschar derart vor den PR-Karren spannen darf. Die etwas elitärere Künstlerförderung des Bankhauses startet nun mit einem gehörigen Aufmerksamkeitsvorsprung. Bereits als die Halle noch Deutsche Guggenheim hieß, wurde einmal pro Jahr ein „Künstler des Jahres“ benannt. Nach Wangechi Mutu 2010, Yto Barrada 2011 und Roman Ondák 2012 wurde 2013 Imran Qureshi ausgewählt.

Der pakistanische Künstler hat sich auf islamische Miniaturmalerei spezialisiert. Qureshi erlernte die jahrhundertealte Technik am National College of Arts in Lahore, wo er heute selbst unterrichtet. Es ist der einzige Lehrstuhl für Miniaturmalerei weltweit. 20 000 junge Leute wollen dort angeblich pro Jahr studieren, 150 werden genommen, trainieren Malstile aus dem 16. oder 18. Jahrhundert und lernen, wie man Papier in der Wasli-Technik herstellt. Die unglaubliche Popularität des alten Handwerks haben Qureshi und seine international erfolgreiche Landsfrau Shahzia Sikande ausgelöst. Beide gelten als Erneuerer der Miniaturmalerei, mit zeitgenössichen Motiven und neuen Formaten, die auch die stereotype westliche Rezeption hinterfragen. Bei der Sydney Biennale wurde Qureshi für seine florale Bodenmalerei gefeiert, die an Blutflecken erinnerte (Foto). Nun zeigt er sowohl kleine Formate als auch Bodenarbeiten – und darf länger bleiben als 24 Stunden. Birgit Rieger

Deutsche Bank KunstHalle, Do 18.4. bis So 4.8., Mo-So 10-20 Uhr, 4 €, erm. 3 €

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