AUSSTELLUNGIna Weber „Hier“ : Die Würde des Scheiterns

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Die Gebäude, für die sich die in Berlin lebende Künstlerin Ina Weber interessiert, sind alles andere als aufregend. Es sind Tankstellen, Wartehäuschen, Plattenbauten. Oder Stadtmobiliar, das in deutschen Fußgängerzonen der Siebziger oder anderen europäischen Metropolen allgegenwärtig ist und gern übersehen wird. Man möchte meinen, eine bildende Künstlerin, eine Expertin für Form und Gestaltung, würde unter der Beschäftigung mit solch nichtssagenden Objekten leiden.

Aber Ina Weber, Jahrgang 1964, die unter anderem bei Martin Kippenberger studiert hat, leidet nicht. Sie glaubt daran, dass auf den Tisch sollte, was unsere gebaute Umwelt ausmacht, auch wenn’s wehtut. Bei den Architekturen, die Weber zunächst abfotografiert und dann in realistisch gemalten Aquarellen abbildet oder oft auch als Miniaturplastiken modelliert, geht es um die gesellschaftlichen Utopien der Moderne, um den Glauben an Funktionalismus, Aufbruch und Mobilität und um die gebauten Irrungen und Wirrungen, die damit zusammenhängen. Weber ist ja nicht die Einzige, die sich derzeit für das ehemals Moderne erwärmt, die Schönheit entdeckt, wo der Beton feucht aufquillt, und die die Würde des Scheiterns erkennt. Aber sie wird nicht nostalgisch, sondern nimmt den menschlichen Gestaltungswillen mit einer Prise Humor. Den brauchen wir alle. Denn auch in der Post- oder Post-Postmoderne haben wir es mit bizarren und schlechten Ideen im urbanen Raum zu tun, man denke an manche Hotelbauten in Berlin, an Eigenheim-Wohnanlagen in Prenzlauer Berg oder an das Einkaufszentrum Alexa. Da hilft Distanz. Birgit Rieger

Haus am Waldsee, Fr 18.1. bis Mo 1.4.,

Di-So 11-18 Uhr, 7 €, erm. 5 €

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