AUSSTELLUNGKenneth Anger, Astrid Klein, Analia Saban : Süchtig nach Applaus

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Es sind nicht mehr ganz so viele, aber einige Galerien in Berlin beeindrucken durch schiere Größe. Die Galerie Sprüth Magers gehört mit ihrer Dependance in der Oranienburger Straße dazu. Zwei Stockwerke, viel Licht, viel Luft, und wenn dann noch zeitgleich drei Ausstellungen eröffnen, hat das musealen Charakter.

Anlässlich der Berlinale widmen die Kölner Kunstverkäufer dem amerikanischen Künstler und Filmemacher Kenneth Anger eine Ausstellung – schon zum zweiten Mal. Der Anhänger des englischen Okkultisten Aleister Crowley war in den Sechzigern einer der Ersten, die die Ästhetik der Subkultur und deren schräge Eso-Träume auf die große Leinwand brachten. Er gilt als Vorreiter der heute gängigen Musikvideo- und Werbeästhetik, weil er die Idee hatte, Filmbilder mit Pop-Sounds zu unterlegen und mit schnellen Schnitten zu rhythmisieren. Die Legende besagt, dass Angers Liebe zum Film und zur Maskerade von seiner als Kostümbildnerin tätigen Großmutter stammt, die ihn schon als Kind in die Garderoben der Stars mitnahm. Angers Archiv erzählt davon, Bilder und Zeitungsausschnitte von Hollywood-Legenden wie Greta Garbo oder Rudolph Valentino sind zu sehen; außerdem drei relativ neue Kurzfilme des 85-jährigen Künstlers. Mit der Hybris der Filmwelt haben die 1951 geborene Künstlerin Astrid Klein und das aus Los Angeles stammende Nachwuchstalent Analia Saban nicht direkt zu tun, schon eher spielt die Hybris des Bildes eine Rolle; in Kleins raumfüllenden Schwarz- Weiß-Collagen kommt die Realität der Fotografie auf den Prüfstand, in Sabans Skulpturen werden Gemälde als Diven dekonstruiert.Birgit Rieger

Sprüth Magers Berlin, Fr 25.1. bis Sa 23.2.,

Di-Sa 11-18 Uhr, Eintritt frei

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