AUSSTELLUNGPinar Yoldas „An Ecosystem of Excess“ : Urmel aus dem Plastikmeer

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Der Begriff „posthuman“ geistert derzeit vermehrt durch die zeitgenössische Kunst. Er klingt nach einer menschenleeren Welt, in der Kunstwerke von langbeinigen Titan-Robotern hergestellt werden. Wenn überhaupt. Das Schlagwort „posthuman“ spielt mit dem Ende des Anthropozentrismus, ein Gedanke, der nicht zuletzt die Documenta 13 in Kassel bestimmt hat. Künstler, wie zuvor schon Wissenschaftler, bezweifeln zunehmend, dass der Mensch die dominierende und intelligenteste Lebensform auf dem Planeten ist. Keine schöne Vorstellung. Wer lässt sich schon gern vom Sockel der göttlichen Kreaturen stoßen? Wer will schon hören, dass ein Schleimpilz unter Umständen genauso effizient geometrische Probleme löst wie der Mensch?

Die in den Vereinigten Staaten lebende türkische Künstlerin Pinar Yoldas scheut nicht davor zurück, solche Gedanken durchzuspielen. Für ihre Ausstellung in der Schering-Stiftung stellt sie sich ein „posthumanes“ Ökosystem vor und spekuliert darüber, welche Lebensformen darin vorkommen könnten. Trauriger und realer Ausgangspunkt ihrer Überlegung ist der „Great Pacific Garbage Patch“, ein Plastikmüll-Strudel von der Größe Mitteleuropas, Ergebnis exzessiven menschlichen Konsumverhaltens. „Welche Lebensformen würde der Urschlamm der Gegenwart hervorbringen, würde das Leben heute in unseren mit Plastik zugemüllten Ozeanen seinen Anfang nehmen“, fragt Yoldas. Sie zeigt auf, wie Atmungs-, Verdauungs- oder Fortpflanzungsorgane aussehen könnten, die auf den Umgang mit Plastikabfällen optimiert sind. Birgit Rieger

Schering Stiftung, Do 23.1., ab 19 Uhr, bis So 4.5., Mo/Mi-Sa, 12–19 Uhr, Eintritt frei

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