AUSSTELLUNGSusi Pop „Bank Dick“ : Nichts geht mehr

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Tieren sagt man nach, sie spürten ein Unwetter, lange bevor es knallt. Susi Pop verfügt über ähnlich geschärfte Instinkte, wenn es um Bilder mit politischem Zündstoff geht. Das ist umso interessanter, als es sich bei Susi Pop nicht um eine konkrete Person handelt, sondern um eine Kunstmarke, die 1986 in schönster Pop-Art-Manier erschaffen wurde: eine Leerstelle mit anonymen Protagonisten, an der jeder mitwirkt, der mit den pinkfarbenen Medienbildreproduktionen – dem Markenzeichen von Susi Pop – in Berührung kommt.

Die pinkfarbene Marke hat wohl immer gespürt, dass die Finanzwelt gefährlich und glitschig wie ein Fisch ist und hat sich ihre Zeichen und Bilder frühzeitig einverleibt. Es begann 1989 mit handgemalten Fieberkurven von Aktienindizes. Es folgte eine Siebdruckserie auf Leinwand mit Bankräuberportraits. Als Vorlage dienten Aufnahmen von Überwachungskameras, wie sie in „Aktenzeichen XY“ rauf- und runtergespielt wurden. Mit der Pleite des amerikanischen Bankhauses Lehman Brothers wechselten auch die bösen Buben. Nun standen skrupellose Jungbanker im Kreuzfeuer der Öffentlichkeit. Susi Pop nahm sich auch hier die tausendfach in den Medien abgebildeten Szenen vor und coverte sie für den Kunstbetrieb. Auf den Siebdruckreproduktionen sieht man junge Typen in Hemd und Krawatte, wie sie ihre Arbeitsplätze in den Banken verlassen, einen Karton mit privaten Sachen vor sich her tragend. „Lehman Box“ heißt die neue Serie, die sich mit den älteren zu einer wasserdichten Geschichte über die Gefräßigkeit des Kapitals zusammenfügt, natürlich erst durch die Interpretation des Betrachters. Birgit Rieger

Zwinger Galerie, Eröffnung: Fr 6.1., 19-21 Uhr,

Sa 7.1. bis Sa 25.2., Di-Sa 12-18 Uhr, Eintritt frei

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