AUSSTELLUNG„Von den letzten Dingen“ : Trauern ist Liebe

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Ein eindrückliches Beispiel frühzeitlicher Bestattungskultur wurde 2008 mitten in Berlin entdeckt. Bei Grabungen am Schlossplatz wurden die Reste eines mittelalterlichen Dominikanerklosters gefunden, das später zur Domkirche der Habsburger umgebaut und zur kurfürstlichen Familiengrabstätte bestimmt wurde. In der Kirche, einem beliebten Bestattungsort der Hofgesellschaft, wurde der gut erhaltene Sarkophag des 1652 verstorbenen Ritters Conrad von Burgsdorffs entdeckt, in einer bisher unberührten Adelsgruft. Von Burgsdorff war einer der wichtigsten Minister am Hof des brandenburgischen Kurfürsten Friedrich Wilhelm. Sein Sarg, die goldenen Grabbeigaben und reich verzierte Särge weiterer Adeliger werden nun im Neuen Museum erstmals gezeigt.

2009 hat sich in Berlin eine Arbeitsgemeinschaft für Sepulkralkultur gegründet, mit dem Ziel die Kultur des Sterbens und des Todes in der Frühen Neuzeit zu erforschen. Wie ließen sich Berliner und Brandenburger zwischen 1500 und 1800 bestatten, wie wurde getrauert? Die Fundstücke zeigen: Im Gegensatz zu heute waren die Rituale öffentlicher und prunkvoller. Selbst Bürgern wurden wertvolle Goldmünzen, sogenannte Totenpfennige, mit ins Grab gegeben, ein spektakuläres Exemplar von 1577 aus einer Gruft in der Niklolaikirche ist in der Ausstellung zu sehen. Ebenso verschiedene „Totenkronen“, die Kindern und Ledigen mit ins Grab gegeben wurden (Foto). Trauer und Pietät sind übrigens so alt wie die Menschheit, das beweist die 40 000 Jahre alte Bestattung des Neandertalers von Le Moustier, die seit längerem Teil der Sammlung des Neuen Museums ist. Birgit Rieger

Neues Museum, Fr 13.1. bis Mi 11.4., Mo-Mi/So 10-18 Uhr, Do-Sa 10-20 Uhr, 10/5 €

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