Australien geht in die Offensive : Mit Sprachen zum Erfolg

Wie „Australien im Asiatischen Jahrhundert“ bis 2025 seine Zukunft gestalten will – ein ambitioniertes Weißbuch gibt Auskunft.

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Flagge zeigen. Der australische Pavillon auf der World Expo 2010 in Schanghai wirkt im Nachhinein wie ein programmatischer Auftakt zur umfassenden Asien-Initiative der australischen Regierung.
Flagge zeigen. Der australische Pavillon auf der World Expo 2010 in Schanghai wirkt im Nachhinein wie ein programmatischer Auftakt...Foto: Wei yao/Imaginechina/laif

Vor 225 Jahren landeten 1332 britische Sträflinge in Australien, wo sie sich ab dem 26. Januar 1788 im späteren Port Jackson ansiedelten. Damit begann die weiße Besiedlung des australischen Kontinents. Australien verstand sich bis nach dem Zweiten Weltkrieg als europäisch geprägtes Land – die dann einsetzende Einwanderungspolitik veränderte das Land allmählich. In einem Werbespot der australischen Biermarke „VB“ sind noch Mitte der 80er Jahre des 20. Jahrhunderts nur weiße Männer zu sehen – in einem Werbespot der gleichen Biermarke zu den Olympischen Sommerspielen in Sydney im Jahr 2000 präsentiert sich Australien als kunterbunte Nation. Jetzt, da sich Asien rasant entwickelt und das 21. Jahrhundert prägen wird, sucht Australien seine Politik neu zu definieren und auszurichten.

„Was immer dieses Jahrhundert bringen wird, es wird Asiens Aufstieg bringen“, schreibt Australiens Premierministerin Julia Gillard (Labor). Vor die Wahl gestellt, in die Zukunft hineinzuschlittern oder sie aktiv zu gestalten, hat sich die australische Regierung mit dem Weißbuch „Australien im Asiatischen Jahrhundert“ bis 2025 ein ehrgeiziges Ziel gesetzt. Australien soll von dieser Entwicklung aktiv profitieren. „Die Transformation der asiatischen Region in das ökonomische Powerhouse der Welt ist nicht nur nicht aufzuhalten, sie gewinnt zunehmend an Fahrt“, schreibt Gillard im Vorwort.

Sie macht darauf aufmerksam, dass in Asien die größte Mittelschicht der Welt entsteht, der größte Produzent von Gütern und Anbieter von Dienstleistungen, dabei gleichzeitig der größte Konsument. Damit rückt Australien automatisch näher an das Zentrum künftiger Weltwirtschaft und Weltpolitik heran und leidet nicht mehr unter dem „Terror der Distanz“. „Ich möchte, dass unsere Nation ein Gewinner wird, wenn unsere Region sich ändert, und ich möchte, dass jeder Australier auch zu den Gewinnern gehört.“

Grundbedingung dafür ist es, dass Australien eine Nation wird, die sich besser mit Asien auskennt und Asien besser verstehen wird. Dazu zeigt das Weißbuch „Australien im Asiatischen Jahrhundert“ den ehrgeizigen Weg auf, einen beeindruckenden Masterplan, der Australien bis 2025 nachhaltig verändern wird. Jeder Australier und jede Institution ist aufgefordert, seinen Teil zum Gelingen dieses ambitionierten Planes zu leisten. Über die Ziele und Inhalte dieses Programms herrscht überparteiliche Einigkeit, sonst wäre die Realisierung bei möglichen Regierungswechseln gar nicht zu schaffen.

Australien kann auf eine erfolgreiche Politik in der Region zurückgreifen, es unterhält gute Beziehungen zu China, Japan, Korea, Indonesien und Indien. Mit der wachsenden Mittelklasse im asiatischen Raum werden wirtschaftliche Bedürfnisse wachsen, ebenso Handelsbeziehungen und der Tourismus. Australien sieht sich gut aufgestellt, dem zu begegnen, aber es will mehr. Australien soll sich mit ganzer Kraft auf die Region einstellen. Dazu muss man zunächst die eigene Kompetenz bei Produktivität, Bildung und Ausbildung, Innovation, Infrastruktur, bei Steuerreformen und Regulierungsreformen stärken.

Die größte Verantwortung sieht die Regierung in der Investition in Bildung und Ausbildung der Bevölkerung. Dazu gehört es vor allem, das Verständnis der asiatischen Kulturen und Sprachen zu fördern. Sprachen und interkulturelle Kompetenz gelten als Voraussetzung für eine blühende australische Wirtschaft in der Region. Kein anderes Land der Welt stellt sich mit einem ähnlich ehrgeizigen Plan so auf die asiatischen Nachbarn ein. Man belässt es nicht dabei, die Wirtschaftsbeziehungen und die politischen Kontakte zu pflegen und auszubauen, nein, möglichst viele Australier sollen lernen, Asien zu verstehen.

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