Zeitung Heute : Auszeit als Bestandteil der Karriereplanung

Kontaktpflege zu Kunden und Geschäftspartnern auch während einer einjährigen Weltreise

Annette Fahrendorf

Angst, nach der Auszeit den Wiedereinstieg nicht zu schaffen, hatte Astrid Dominico nicht. Sie ist kurz entschlossen mit ihrem Lebensgefährten ein Jahr lang um die Welt gereist: Süd-, Mittel-, Nordamerika, Neuseeland, Australien, Vietnam, China und schließlich zurück nach Hamburg. „Wir haben das nicht lange geplant. Drei Monate, nachdem wir das erste Mal darüber nachgedacht haben, sind wir losgeflogen,“ sagt die Personalfachfrau. Nach zehn Jahren Tätigkeit in Führungspositionen war und ist sie sich ihrer Qualifikation und ihres Könnens bewusst. Sie konnte sich die Zeit für die Weltreise „einfach“ nehmen. Genauso ihr Lebensgefährte Stefan Weißhuhn. Der 38-Jährige erinnert sich: „Ich hatte ein großes Projekt, das kurz vor dem Abschluss stand. Am Tag vor der Abreise habe ich die Präsentation abgegeben.“ Der Wirtschaftsingenieur hat seine Karriere generell so ausgerichtet, dass solche Auszeiten möglich sind: „Als freiberuflicher Berater für IT-Projekte kann ich mir zwischen großen Projekten auch mal Freiräume schaffen.“

Damit die Verbindung zu Kunden und Geschäftspartnern nicht abreißt, haben Dominico wie Weißhuhn während der Reise ihre Kontakte sorgfältig gepflegt. Neben einem Newsletter, der an Freunde und Verwandte ging, schickten sie regelmäßig einen Rundbrief an Geschäftspartner. „Die meisten haben das gern gelesen, viele haben auch geantwortet und aus Deutschland berichtet“, sagt Weißhuhn. „Als wir uns dann zurückgemeldet haben,“ ergänzt Dominico, „konnten wir uns auf diese Korrespondenzen beziehen.“

Neben den Reiseberichten haben die beiden während des Trips regelmäßig ihre Website aktualisiert und zusätzliche Informationen gesammelt. Daraus erarbeiten sie jetzt einen Ratgeber für zukünftige Weltreisende. Demnächst soll er als Buch erscheinen. Beruflich haben beide schnell wieder Fuß gefasst. Weißhuhn: „Ich habe eigentlich nahtlos an das anknüpfen können, was ich vorher gemacht habe. Allerdings habe ich mich – auch durch die Erfahrungen der Reise – inzwischen mehr auf Knowledge Management und Zukunftsforschung konzentriert.“

Astrid Dominico hat inzwischen erste Aufträge als freie Personalberaterin und Human-Rescources-Expertin. In ihrer Arbeitsweise, so sagt sie, habe sie sich nicht wesentlich verändert, aber: „Vielleicht bin ich ein wenig gelassener geworden und kann eher mal cool bleiben, wenn etwas nicht so läuft, wie ich es geplant habe.“ Verstärkt habe sich allerdings das soziale Engagement: Bei ihrer Hochzeit haben die beiden statt Geschirr und Besteck Spenden für gemeinnützige Organisationen in aller Welt gesammelt.

www.reisewelten.com

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