Zeitung Heute : Autofahrer müssen noch viel Geduld aufbringen

CLAUS-DIETER STEYER[STOLPE]

Erst 300 von 1600 Kilometern brandenburgischer Autobahnen komplett saniert VON CLAUS-DIETER STEYER, STOLPE

Baustellen, Straßenschäden und Strecken mit erheblicher Tempobegrenzung werden noch bis weit in das nächste Jahrzehnt zu den Markenzeichen des Brandenburger Autobahnnetzes gehören.Erst 300 von insgesamt 1600 Kilometern entsprechen der höchsten bundesdeutschen Qualitätsstufe mit sicherer Fahrbahndecke, Randstreifen und Schutzplanken."Viele Vorhaben können wir wegen fehlenden Geldes erst nach dem Jahr 2005 beginnen", sagte der Direktor des Brandenburgischen Autobahnamtes, Hans-Reinhard Reuter, gestern in Stolpe. Deshalb würden viele Strecken zunächst mit einer zehn oder 20 Zentimeter starken Asphaltdecke versehen, um überhaupt die Befahrbarkeit herzustellen.Diese Provisorien hielten indes je nach Qualität und Fahrzeugdichte nur maximal 20 Jahren.Beispiele sind Abschnitte auf dem Berliner Ring zwischen Hellersdorf und Hohenschönhausen, wo die Randstreifen fehlen.Insgesamt sind seit 1990 rund 830 Kilometer Autobahn erneuert worden.Große Teile des Netzes entsprachen damals noch dem Vorkriegsniveau.71 Prozent aller Brandenburger Autobahnkilometer waren zwischen 1933 und 1940 gebaut worden.Zu DDR-Zeiten reichte das Geld nur für Flickschusterei. Schwerpunkte in diesem Jahr sind die Instandsetzung der A 24 Berlin-Hamburg sowie der Ausbau der A 2 nach Hannover und der A 9 nach Leipzig.1999, so versprach es Direktor Reuter, können die Autofahrer nach Westen und Süden dreispurig fahren.Ein Jahr länger dauern die Bauarbeiten auf der A 115 zwischen der Landesgrenze Berlin und der Ausfahrt Potsdam-Babelsberg.Bis zur Bundesgartenschau 2001 in Potsdam soll die neue Ausfahrt Nuthestraße fertig sein.Ludwigsfelde muß dagegen noch bis 2005 auf seine neue Anschlußstelle warten.Geduld ist auch am Schönefelder Kreuz gefragt.Dort dauern die Bauarbeiten drei Jahre.In diesem Jahr kann das Autobahnamt 350 Millionen Mark aus dem Bundeshaushalt verbauen, 20 Millionen mehr als 1996. Wie dringend die Arbeiten zur Verbesserung der Verkehrssicherheit sind, zeigt ein Blick in die Unfallstatistik.Im Gegensatz zum allgemein rückläufigen Trend ist die Zahl der tödlich verunglückten Personen auf Brandenburger Autobahnen weiter gestiegen."100 Menschen verloren 1996 nach unserer Rechnung bei Unfällen ihr Leben.Das sind fünf mehr als ein Jahr zuvor", teilte Reuter mit.Die meisten Fahrer kämen in Baustellen von der Fahrbahn ab und prallten gegen Bäume oder in Gräben.Auch Fußgänger würden immer häufiger überfahren."Die Leute steigen nach einer Panne aus oder laufen zur Notrufsäule.Dabei gehen viele von ihren Erfahrungen im Stadtverkehr aus und unterschätzen die hohen Geschwindigkeiten auf der Autobahn", schilderte Klaus Pagroff, im Amt für Verkehrssicherheit zuständig, typische Situationen.Auch mehrere Personen, die nach einem Unfall helfen wollten, seien von anderen Fahrzeugen überrollt worden. Da nach seiner Rechnung 99,9 Prozent aller Autobahnunfälle auf menschliches Versagen zurückzuführen seien, forderte Direktor Reuter eine stärkere Polizeipräsenz vor allem an den Baustellen.Dort werde im Schnitt mit Tempo 120 gefahren, obwohl nur 60 oder 80 Kilometer in der Stunde zugelassen seien."Wer diese Geschwindigkeit aber einhält, gilt in der Regel als Verkehrshindernis.Er wird angehupt und mit Lichthupe regelrecht angetrieben", sagte Reuter. Ein Beispiel für das zunehmend grob fahrlässige Verhalten auf Autobahnen sei das Auffahren auf die großen Absperrtafeln mit dem blinkenden Pfeil vor Baustellen.Zwölf dieser weithin sichtbaren Geräte sind 1996 zerstört worden.Reuter: "Man bekommt Angst: Wer schon dieses großen Tafeln nicht bemerkt, kann doch auch die viel kleineren Warnschildern nicht sehen."

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