AVANTGARDE-BRITPOPBloc Party : Die Unbequemen

Jörg W,er

Sie hätten es sich wohl einfacher machen können: Wie für die Mehrzahl ihrer britischen Pop-Kollegen wäre es für Bloc Party vermutlich ein Leichtes gewesen, ihrem ebenso überragenden wie erfolgreichen Debütalbum solide Zweit- und Drittwerke folgen zu lassen und so die Lebensgrundlage zu sichern. Doch die Londoner Band um Sänger Kele Okereke hat nicht nur die Schlagzahl ihres Outputs langsam erhöht, sondern auch noch die Zugangscodes zu ihren Songs komplizierter gemacht.

Die meisten Stücke des Debüts „Silent Alarm“ offenbarten ihre an klassischen Vorbildern wie The Cure und Gang Of Four geschulte New-Wave-Schönheit noch ganz arglos. Doch schon auf „A Weekend in the City“ kamen mit einem an die „Achtung Baby“-Phase von U2 erinnernden Bombastsound und elektronischen Spielereien verwirrende Elemente hinzu. Vollends durchgeknallt war dann Ende 2007 die Lückenfüller-Single „Flux“: ein die aktuelle Killers-Platte um 12 Monate vorweg nehmendes Eurodisco-Geballer, über das Okereke wie ein Peter Gabriel in der Zwangsjacke schwer verständliche deutsche Textzeilen krakeelt. Auf „Intimacy“ lassen Bloc Party alle Vorsicht fahren: Stücke wie „Mercury“ oder „Ares“ sind in alle Richtungen auskeilende Big-Beats-treffen-Sägegitarren-Ungeheuer, gegen die die neue Franz Ferdinand nach Dorfdisko klingt. So weit wie Bloc Party hat sich noch keine der jüngeren Britrock-Bands aus dem Fenster gelehnt. Zu weit offenbar für viele Fans: „Intimacy“ hat nicht annähernd die Verkaufszahlen der Vorgänger erreicht. Kaum anzunehmen, das dies Bloc Party von weiteren kühnen Ausflügen in neue Klangdimensionen abhalten wird. Jörg Wunder

Columbiahalle, Sa 14.2., 20 Uhr, 30 € BW728

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