Zeitung Heute : AVANTGARDE

Amer.

Michael Meyns

In drei Segmenten geht es in dem Film von Hélène Cattet und Bruno Forzani um Ana, die als Kind dem Leichnam ihres Großvaters nahekommt, als Teenagerin ein Erweckungserlebnis hat und in der finalen Sequenz des Films als erwachsene Frau in das Haus ihrer Kindheit zurückkehrt. Hier offenbart „Amer“ seine erzählerische Komplexität. Der Rausch an Sex und Gewalt, in den sich Ana hineinsteigert, lässt die Grenzen zwischen Realität und Fantasie verschwimmen. Fast ohne Dialoge fasziniert der Film durch seine Fixierung auf visuelle und akustische Reize. Mit farbgesättigten Bildern, extremen Nahaufnahmen und bruchstückhaften Zeichen formt das Regieduo eine surreale Welt. Ein Film, der so tief im Hirn des Betrachters wirkt, wie es das an Oberflächenreizen interessierte moderne Kino nur noch selten vermag. Erstaunlich. Michael Meyns

B/F 2009, 90 Min., R: Hélène Cattet, Bruno Forzani, D: Marie Bos, Bianca Maria D’Amato

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