Zeitung Heute : Badezimmer: Der Schock der Curry-Bäder sitzt noch tief

Waltraud Hennig-Krebs

"In welche Marktforschungsstudie wir auch blicken, die eigenen vier Wände gewinnen noch mehr an Bedeutung, als sie ohnehin schon haben", meint Franz Kook, der Vorsitzende der Vereinigung Deutsche Sanitärwirtschaft e. V. (VDS) mit Sitz in Bonn. Er ist davon überzeugt, dass "quer durch alle Schichten und Altersklassen auch im Bad die Geborgenheit, wenn auch stets individuell interpretiert", regieren sollte. Und genau das mache die Frage nach dem Trend so spannend.

Nach Ansicht des Vorsitzenden der Dachorganisation rückt "die einstige freudlose Nasszelle zunehmend zum erholsamen Lebensraum" auf. Das Bad dient, weit über seine Kernfunktion der Körperreinigung und -pflege hinaus, als Ort der Entspannung. Das Design zeige, so Kook, klassische, zeitlose Formen wie Rechteck, Kreis oder Oval. "Rein kosmetische Schnick-Schnack-Spielereien" kämen bei den industriellen Produktgestaltern immer mehr aus der Mode. Bei den Entwürfen stünden ergonomische, funktionale, montagefreundliche und hygienische Kriterien im Vordergrund.

Der Farbe Weiß wird mit zahlreichen Schattierungen und Nuancen die Treue gehalten. Auf alle Fälle seien "weiche, warme und helle Töne" gefragt. Franz Kook vermutet, dass wahrscheinlich "bei den Deutschen der Schock der Moosgrün- und Curry-Bäder der siebziger Jahre so tief sitzt", dass sie keine Experimente wollten. Allerdings werde dem kühlen Weiß durch gezielte Farbtupfer bei Fliesen, Accessoires und Armaturen etwas von der Strenge genommen. Weitere Auflockerungen entstehen durch Badmöbel aus Holz, Edelstahl, Kunststoff oder Aluminium. Richtig bunt wird es nur bei Duschabtrennungen. Hier reiche die Palette vom mediterranen Landhausambiente bis zum coolen Techno-Look.

In Szene setzen auf der Messe

Wohin die Design- und Technik-Reise in Zukunft hinsichtlich des Bades geht, wird die weltweit größte Trend- und Neuheitenschau, die ISH, Ende März in Frankfurt zeigen. Diese alle zwei Jahre stattfindende Messe der internationalen und nationalen Sanitärwirtschaft ist am 31. März fürs normale Publikum geöffnet. Das Besucherinteresse am Schlusstag soll durch verbilligte Eintrittspreise und wertvolle Gewinnspiele erhöht werden. Denn für diese Selbstdarstellung der Branche hat die breite Öffentlichkeit, sehr zum Bedauern der VDS, bislang kaum Interesse gezeigt. Das soll anders werden, und zwar mit einer gerade begonnenen dreijährigen Werbekampagne. Unter dem Erkennungssymbol "bad. Meister. Marken. Möglichkeiten" will sich die Sanitärbranche "in Szene" setzen.

Konkret soll das auf drei Ebenen geschehen: Durch die Markenindustrie, die innovative Produkte und Systeme herstellt, durch den Fachgroßhandel, bei dem sich potenzielle Kunden in ansprechenden Ausstellungen rund ums Bad informieren können und durch das Fachhandwerk, das einen umfassenden Service bietet. Über die Internet-Adresse www.gutesbad.de soll es vom 19. März an umfassende Informationen geben, zu denen auch die Anschriften ständiger Badausstellungen und qualifizierter Handwerksbetriebe - nach Regionen geordnet - gehören.

Es sei ganz offensichtlich nicht nur damit getan, über Neuheiten, Techniken und Leistungen nüchtern-sachlich zu informieren, sondern auch die "Gefühlsebene" müsse den Verbraucher erreichen, lautet die Botschaft der Dachorganisation, die zwölf Fachverbände vertritt. Um dieses Ziel zu erreichen, hat die VDS beim Forsa-Institut eine "Blitzumfrage" in Auftrag gegeben. Im Januar wurde untersucht, wie die Deutschen in ihren Bädern leben. Damit der Blick hinter die Kulissen repräsentativ ist, stellten die Sozialforscher 1002 ausgewählten Personen - Jugendlichen, Frauen und Männern - zwischen 14 und 64 Jahren im gesamten Bundesgebiet sechs gleichlautende Fragen, wobei Mehrfachnennungen möglich waren.

Dass zu den beliebtesten Tätigkeiten im Bad das Duschen und Baden gehört, dürfte kaum verwundern. Männer (50 Prozent) bevorzugen den schnellen Brausespaß, während Frauen (46 Prozent) sich dem erholsamen Vergnügen in der Wanne hingeben. Die unter 30-Jährigen allerdings nutzen das Bad gleich gerne fürs Duschen und fürs Baden. 80 Prozent der Befragten sind bei der Körperpflege am liebsten allein. Traute Zweisamkeit schätzen eher Männer (15 Prozent) als Frauen (zehn Prozent) und junge Menschen unter 30 Jahren (21 Prozent). Und auf die Frage, was am meisten im Bad nervt, sorgt nicht die ausgequetschte, offen herumliegende Zahnpastatube für ständigen Ärger. Nur drei Prozent der Befragten bringt diese Unart auf die Palme. Es ist vor allem der Schmutz, der 20 Prozent der Befragten stört. Frauen (27 Prozent) sind dabei erheblich sensibler als Männer (13 Prozent).

Im Großen und Ganzen jedoch sind die Deutschen mit ihren Bädern zufrieden. Etwa zehn Prozent wünschen sich allerdings mehr Platz, gefolgt von dem Wunsch nach größerem Komfort, einer separaten Dusche und einem eigenen Radio- beziehungsweise Fernsehbereich. Dies steht besonders bei den bis zu 30-Jährigen hoch im Kurs (16 Prozent). Da besonders stark der Wunsch nach Erholung im Bad bei den 30- bis 59-jährigen Befragten ausgeprägt ist, folgert der VDS, dass jemand, der sich gerne entspannt, die entsprechende Ausstattung und damit das Bad vom Profi braucht.

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