Zeitung Heute : Bank 24 hilft bei Einrichtung einer Multimedia-Professur

ALEXANDER KÖNIGS

Die Direktbank will den Lehrstuhl an der Hochschule der Künste sowie einen Multimedia-Preis jährlich mit 400 000 DM fördernVON ALEXANDER KÖNIGSDer Präsident der Hochschule der Künste Berlin (HdK), Lothar Romain, ging zu Beginn der Pressekonferenz am Mittwoch, zu der die HdK und die Direktbank Bank 24 ­ eine hundertprozentige Tochter der Deutschen Bank ­ eingeladen hatte, gleich in die Offensive und stellte eine äußerst ungewöhnliche Kooperation vor: Vorläufig für drei Jahre, bei Erfolg des Projektes länger, wird die Bank 24 jährlich rund 400 000 DM an die Hochschule der Künste zur Einrichtung einer neuen Professur für "Multimediale Kunst" sowie für die Auslobung eines internationalen Multimedia-Preises und für themenspezifische Symposien und Tagungen überweisen.Damit ist diese Public-Private-Partnership nicht nur für die HdK, mit rund 5000 Studenten die größte Einrichtung dieser Art in Deutschland, Neuland. Im neugegründeten "Institut für zeitbasierte Medien" angesiedelt soll sich die Professur zum Beispiel mit Fragestellungen wie der Existenz einer eigenen Kultur von virtuellen Welten befassen und diesen nachgehen.In der Erforschung solcher Fragestellungen sieht die Bank 24 auch die Gründe für die in Deutschland bislang einzigartige Kooperation.Als Marktführer im Bereich des Direktbanking prognostiziert das Unternehmen die Zukunft des Bankgeschäfts in den neuen Medien."Uns interessiert als Dienstleister von Bankservice für über 80 000 Online-Kunden natürlich die Entwicklung in den neuen Medien.Wir brauchen im harten Konkurrenzkampf der Direktbanken neue Impulse, um anderen Dienstleistern einen Schritt voraus zu sein." Thomas Holtrop, Vorstandsmitglied der Bank 24, ist sichtlich bemüht, dem noch etwas unscharfen Engagement seiner Bank Profil zu verleihen.Es gehe nicht darum, auf einen bestimmten Geschäftsvorgang zu schauen und die Hochschule der Künste als Dienstleister im Bereich des Designs von Webseiten für die eigenen Ziele einzuspannen.Durch Know-how-Transfer sollen mittelfristig innovative Kommunikationsformen in den für sein Unternehmen lebenswichtigen neuen Medien gefunden und besetzt werden.Der Imagegewinn durch die Präsenz auf Multimedia-Veranstaltungen und das eigens entwickelte Logo stehe nicht im Vordergrund.Es sei ersichtlich, so Holtrop, daß die neuen Medien keine Ergänzung bestehender Geschäftsfelder, sondern einen ganz neuen Marktplatz darstellten, den es zu definieren und erobern gelte.Man wolle nicht irgendwann mit 500 000 Kunden dastehen von deren Online-Verhalten und -Vorlieben nichts bekannt sei."Konkret interessiert uns zum Beispiel das Verhältnis von der Präsentation eines Unternehmens im World Wide Web zur Intensität der Nutzung seines Angebotes.Hier stehen ganz klar gestalterische, graphische Aspekte im Vordergrund." Die Anforderungen an die ab nächstem Jahr zur Vergabe stehende Professur umfassen neben graphischen Fähigkeiten aber auch Qualitäten in Video- und Audio-Bearbeitung.Der oder die Bewerberin sollte Präsident Romain zufolge möglichst nicht zu professoral sein."Schließlich ist eine Hochschule auch ein Dienstleistungsunternehmen, das sich dem Markt öffnen muß." Genaueres über die gewünschten Qualifikationen der Bewerber und den durch das Sponsoring ebenfalls ermöglichten neuen Hauptstudiengang "Experimentelle Medien" kann Romain jedoch erst mitteilen, wenn der Akademische Senat der Hochschule das Vorhaben endgültig abgesegnet hat."Wenn dies so klingt wie Plätze mittlerer Allgemeinheit dann ist das auch so.Es ist ja erst die Ankündigung einer Zusammenarbeit und keine Bilanzpressekonferenz.Was die Hochschule kriegt, ist klar.Das ist bei unserem Sponsor nicht so klar, und das finde ich mutig."

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