Zeitung Heute : Bankgesellschaft Berlin: Rupf und Landowsky - die Bilanz

Ralf Schönball

Der Chef der Bankgesellschaft Berlin (BGB), Wolfgang Rupf, sowie der bis Februar im BGB-Vorstand für Immobilien zuständige CDU-Fraktionschef Klaus Landowsky hatten maßgeblich Anteil an der Entstehung von Milliarden-Risiken bei der BGB. Unter der Ägyde der zwei Banker verdoppelte die BGB ihre Umsätze mit Geschlossenen Immobilienfonds. In diesem Geschäftsbereich entstanden Milliarden-Risiken. Diese tragen deutlich zur derzeitigen Schieflage des Berliner Bankenkonzerns bei. Rupf und Landowsky kannten diese Fonds- und Kredit-Geschäfte, denn sie waren beide Vorsitzende des Aufsichtsrats bei der Immobilienfonds-Tochter des Bankkonzerns. Die zwei Spitzenmanager saßen ferner, wie einer internen Risikomanagement-Studie der Wirtschaftsprüfer von McKinsey zu entnehmen ist, in einem eigens eingerichteten "Risikoausschuss Immobilienmanagement".

Wie dem Dokument, das dem Tagesspiegel vorliegt, weiter zu entnehmen ist, hatten die Vorstände der BGB einen Beschluss gefasst, wonach die BGB möglichst viele der umstrittenen Fonds finanzieren sollte. Der McKinsey-Bericht lag der Bankspitze bereits am 20. Juli 1999 vor. Demnach sollten zwei Risikoausschüsse in der BGB "etabliert" werden: für das Immobilienmanagement und für den Bereich Firmenkunden. In dem Kontroll-Gremium, des für die Schieflage der BGB verantwortlichen Immobilienbereichs, saßen Klaus Landowsky, Wolfgang Rupf, dessen oberster Controller Norbert Pawlowski sowie Jochem Zeelen.

Landowsky räumte seinen Posten bei der Bank und Zeelen, Fachvorstand Immobilienfinanzierung bei der LBB, wurde seines Amtes enthoben. Rupf und sein Controler Pawlowski nicht. Doch sie hatten ebenso tiefe Einblicke in das stark belastete Geschäftsfeld Immobilien, wo sich die Risiken heute auf rund 4,4 Milliarden Mark türmen. Davon sind 1,5 Milliarden nicht durch Sicherheiten abgedeckt, so dass dieses Kapital verloren ist, wenn die Schuldner dieser wackeligen Kredite ihre Zinsen nicht mehr zahlen. Die 4,4 Milliarden Mark enthalten nicht weitere Risiken von 1,5 Milliarden aus den Fondsgeschäften der BGB.

Rupf: 2001 Rendite von 15 Prozent

Als vor zwei Wochen neue Risiken im Bereich der BGB-Tochter LBB bekannt wurden, entbrannte erneut die Debatte über die Verantwortlichkeit für die faulen Kredite. Bankchef Wolfgang Rupf rechtfertigte sich für die immer wieder neuen Risiken damit, dass er innerhalb seines Hauses auf eine "Mauer des Schweigens" gestoßen sei. Einen ganz anderen Eindruck hatte Rupf aber während seiner bisher vierjährigen Amtszeit erweckt. Mitte 1999, Rupf saß bereits zwei Jahre an der Spitze der Bank, hatte er die Risiken in seinem Hause noch als "beherrschbarer" bezeichnet. Er empfahl sich damals auch als Sanierer der BGB. Der Presse berichtete er vom Aufbau einer "konzernweiten Risikomanagement-Einheit" über alle Teilbanken hinweg. Parallel dazu kündigte er an, die Risikovorsorge in den ersten Monaten des Jahres 1999 zu senken. Und der Konzernchef versicherte, dass das mehrheitlich dem Land Berlin gehörende Geldhaus "das Schlimmste hinter sich" habe.

Mehr noch, Rupf versprach seinen Aktionären für 2001, also für dieses Jahr, eine Rendite von 15 Prozent auf das eingesetzte Eigenkapital. Davon ist er weit entfernt. Rupf weiß nicht einmal, wie er die Löcher in seiner Bilanz 2000 stopfen soll. Das Eigenkapital reicht nicht mehr aus, um die Risiken fauler Kredite abzudecken. Die Aktionäre werden diese Zeche zahlen müssen. Da das Land Berlin zu 56,6 Prozent an der BGB beteiligt ist, wird am Ende der Steuerzahler die Schieflage ausbaden müssen. Dass Bankchef Rupf im Jahr 1999 die Zukunftsperspektiven derart falsch einschätzte, liegt an seiner Geschäftsstrategie: Sie lief ins Leere.

Denn just an jenem Tag, als er für 2001 die Eigenkapital-Rendite von 15 Prozent versprach, erklärte er auch, wie er sein ehrgeiziges Ziel erreichen wolle. Als einen der drei wichtigen Geschäfts-Bereiche nannte er das "Projektfinanzierungsgeschäft". Dazu zählte er an erster Stelle Immobilienprojekte und Beteiligungsfinanzierungen. Der Plan ist gründlich gescheitert. Zu den jüngsten Pleiten bei der Immobilienfinanzierung zählt der Konkurs des Betreibers von Seniorenresidenzen Rentaco. Doch schwerwiegender noch als dieser Millionenschaden sind die Folgen der so genannten Beteiligungsfinanzierungen. Dabei handelt es sich auch um die heute umstrittenen Geschlossenen Immobilienfonds. Hier ging der Bankenkonzern Milliarden-Risiken ein. Wolfgang Rupf hatte 1999 auf das falsche Pferd gesetzt.

Und der Konzernvorstand hatte viel darauf gewettet. Wie stark er schon 1999 darauf drängte, das Fondsgeschäft auszuweiten, geht aus der McKinsey-Studie hervor. Die Prüfer beklagen, dass "über 50 Prozent der laufenden Fondsfinanzierungen trotz bestehenden Konzernvorstandsbeschlusses bei Drittbanken angefordert" wurden. Dies lag aber nur daran, dass die BGB wegen "mangelnder Bearbeitungskapazitäten" auf einen Teil des lukrativen Kuchens verzichten musste. Aus der Notlage heraus, wollten die Prüfer zusätzliche Kreditgremien einrichten, um noch schneller Immobilien-Darlehen an Bauträger und Fondsgesellschaften ausgeben zu können. Die Risiken behielten die Bankmanager dabei aber nicht gut genug im Auge.

Dass BGB-Vorstand Rupf ein derart großes Interesse an dem Geschäftsfeld Immobilien und insbesondere an der Initiierung von Fonds hatte, liegt auf der Hand. Die BGB verdiente zunächst viel dabei. Zum Beispiel an den Zinsen: Für jeden von der BGB an Fondsgesellschaften vergebenen Kredit kassierte sie eine Gewinnmarge. Bei den Geschlossenen Fonds führte das zu einem üppigen jährlichen Umsatz. Rechnet man alle bisher von der BGB initiierten Immobilienfonds zusammen, so ergibt sich ein Anlagevolumen von insgesamt 19,23 Milliarden Mark. Davon waren oft nur 30 Prozent Kapital von Anlegern, die übrigen 70 Prozent kamen von Banken. Bei einer kleinen Kredit-Marge von einem halben Prozentpunkt kassieren die Banken also "Zins-Gewinne" von knapp 100 Millionen Mark. Jahr für Jahr. Bei Laufzeiten von 25 Jahren ergeben sich Beträge von mehreren Milliarden Mark.

Die Zinserträge sind nur ein Teil der gewaltigen Verdienst-Möglichkeiten, die sich die BGB durch das Geschäft mit den Immobilien-Fonds sicherte. Wie groß das Potenzial war, hatte Rupf bald nach seinem Amtsantritt am 1. Januar 1997 erkannt. Denn er war bereits in seinen Frankfurter Zeit als Gesellschafter der BHF-Bank zuständig für Immobilien-Finanzierung und Immobilien-Fonds. In Berlin verdoppelte die BGB dann unter Rupfs Ägyde das Volumen der Geschlossenen Immobilienfonds: Betrug der Fondsumsatz 1996 "nur" 2,23 Milliarden Mark, wuchs dieser im Jahr 1998 - zwei Jahre nach Rupfs Übernahme der BGB-Geschäfte - auf mehr als 4,38 Milliarden Mark an. Der Bankchef hatte auch damit aus dem Immobilien-Geschäft eine tragenden Säule seiner Bilanz entwickelt. Denn die BGB verdiente nicht nur an der Zins-Marge, sondern auch an Konzeption und Verkauf der Fonds. Also gleich mehrfach: Die BGB kassierte Provisionen für den Verkauf der Anteilsscheine am Bankschalter und verlangte "weiche Kosten" für ihren Aufwand. Das war das schönste Stück des Kuchens.

Kurzfristig Gewinn, langfristig Risiko

Weiche Kosten sind üblich, aber je höher sie sind, desto schlechter ist die Kapitalanlage für die privaten Zeichner. Nach Rupfs Antritt bei der BGB verdoppelten sich die weichen Kosten bei den Geschlossenen Fonds der Bankgesellschaft: Lagen sie bis 1997 zwischen zehn und 12 Prozent, stiegen sie zwischen 1998 und 2000 auf teilweise über 25 Prozent. Im Klartext, von jeder Mark, die die Anleger in Immobilien zu stecken glaubten, bekam Rupfs Bank 25 Pfennig. Das böse Erwachen war damit programmiert. Denn je mehr Gewinne aus Immobilienprojekten abgezweigt werden, desto wahrscheinlicher ist eine spätere Schieflage der Investition. Denn Unternehmer-Gewinne bedeuten für den Immobilien-Eigentümer Kosten. Je höher die Kosten, desto höher der Kredit. Die Zinsen für den Kredit muss der Immobilien-Eigentümer aus den Mieteinnahmen bezahlen. Je höher aber die von den Nutzern geforderten Mieten sind, damit die hohen Zinsen bezahlt werden können, desto riskanter ist das ganze Immobilienprojekt. Da die BGB die Einnahmen für die Fonds garantierte, fallen diese Risiken nun auf die Bankgesellschaft zurück. Heute belaufen sich die Risiken aus Rupfs und Landowskys Fondsgeschäften auf 1,5 Milliarden Mark.

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