Zeitung Heute : Bankgesellschaft: Groth-Aussagen lösen Streit bei IBAG aus

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Auf heftigen Widerstand bei der Bankgesellschafts-Tochter IBAG stoßen Äußerungen aus dem Hause der Groth-Gruppe, die jüngst durch eine Beteiligung an die IBAG gebunden wurde. Klaus Groth hatte seine Funktion in der IBAG als regionalen Bau-Dienstleister für den Raum Berlin-Brandenburg und Norddeutschland umschrieben. Andere IBAG-Töchter, darunter die Bavaria, sollten die sonstigen Regionen Deutschlands abdecken. Da alle Berliner Projekte in Groths Bereich fallen würden, sei auch der Wohnungsbau auf dem KPM-Gelände davon betroffen. Doch eine solche "regionale Arbeitsteilung" gefährdet die Arbeitsplätze von "160 bis 202 Mitarbeiter" in der Bavaria. Das schreiben deren Geschäftsführer in einem Brief an die IBAG-Leitung, der dem Tagesspiegel vorliegt. Darin verwehren sie sich gegen die geplante "Kapitalvernichtung".

Widerstand gegen Klaus Groths Pläne leisten alle vier Bavaria-Geschäftsführer: Günter Fuderholz, Markus Beugel, Harald Müller und Helmut Müller. Die Bavaria ist eine Tochter der Ende 2000 gegründeten Immobilien-Holding der Bankgesellschaft Berlin, IBAG. Das Bavaria-Schreiben ist an deren Chefs, Christian Lauritzen und Friedhelm Schaperjahn, gerichtet. Teile der Groth-Gruppe gelangten vor kurzem unter die Fittiche der IBAG. Groth ist auch Teilhaber der neuen Gesellschaft. Doch das von ihm darin eingebrachte Kapital stammt aus einem "Gesellschafterdarlehen". Groth wurde ferner eine Kapitalentnahme aus den Kassen der neuen IBAG-Groth-Gesellschaft zugesagt. Diese Entnahme wird erst später mit dem Ergebnis der IBAG-Groth-Gesellschaft verrechnet. In der Branche wird behauptet, dass Groth nur durch die Entnahme die Zinsen für das Gesellschafterdarlehen zahlen kann. Die Regelung setze ihn ferner unter Druck, Gewinne für die neue Gruppe zu erlösen.

Durch die IBAG-Groth-Lösung sehen sich die Mitarbeiter der Bavaria nun aber zu einem "Spielball der Interessen von Herrn Groth" reduziert. Die Aussagen von Groth "zerstören das Vertrauen der Mitarbeiter in ihr Unternehmen". Darüber hinaus verlören "Geschäftspartner das Vertrauen in die von uns (der Bavaria; Anm. d. Red.) gemachten Zusagen". Insbesondere im Fall des KPM-Geländes schüre Groth "Falschinformationen", indem der Bauträger behaupte, die IBAG habe ihn "gebeten", den Wohnungsbau dort zu prüfen: "Vielmehr hat Herr Groth schon seit Jahren intensiv darauf gedrängt, eine Projektentwicklungsaufgabe auf diesem Areal zu übernehmen und nur "aus rein konzernpolitischen Gründen wurde diesem Drängen in Teilen nachgegeben."

Auf Rückfrage des Tagesspiegels sagte Klaus Groth, dass die angedachte Regionaleinteilung nicht zum Tragen komme. Stattdessen werde man in der IBAG in einen normalen Wettbewerb um Berlin-Projekte treten. Was das KPM-Gelände betreffe, habe IBAG-Chef Lauritzen ihn gebeten, die dort vorgesehenen Wohnungen zu planen, zu errichten und zu verkaufen. Von dem Brief der Bavaria-Chefs wisse er nichts.

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